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Interview: Multihulls vor dem Durchbruch?

Rolf Kohlhas ist geschäftsführender Gesellschafter von Euro-Cats. Das in Bonn ansässige Unternehmen fungiert seit 21 Jahren erfolgreich als Vertragshändler für renommierte Multihull-Werften wie Fountaine Pajot und Privilège in Deutschland und der Schweiz

Derzeit scheint sich der internationale Multihull-Markt sehr positiv zu entwickeln. Können Sie das bestätigen und eventuell sogar mit Zahlen belegen?
In der Tat boomt der internationale Markt. So hat zum Beispiel der französische Hersteller Fountaine Pajot den Verkauf seiner Produkte in den letzten sechs Jahren um deutlich mehr als hundert Prozent steigern können. Und die Nachfrage wächst weiter, was bei einigen Werften zu Lieferzeiten von zwölf bis 16 Monaten geführt hat.

Kann man diese Entwicklung eins zu eins auf den deutschen Markt übertragen?

Ja, diese Entwicklung ist, zumindest in meinem Unternehmen, auf dem deutschen und dem schweizer Markt analog, allerdings mit etwas späterem Beginn. Hier setzte sie erst 2015 ein.

Gibt es den typischen Multihull-Käufer? Wenn ja, wie würden Sie ihn beschreiben?
Bislang gibt es den typischen Multihull-Käufer. Meist ist er 55 Jahre plus, mit hohen Ansprüchen an Komfort und Lebensraum. Fast immer handelt es sich um ein Paar, das gerade das eigene Unternehmen verkauft oder an die Kinder weitergegeben hat, in Rente gegangen ist oder von einer Erbschaft profitiert hat und nun die lang geplante, große Reise antreten möchte. Fünf oder sechs Jahre nur im Mittelmeer (zunehmend auch mit Abstecher in Nord- und Ostsee) oder als kombinierte Mittelmeer-Karibik-Reise.Viele wollen auch einmal rund um die Welt segeln.
Eine weitere Käufergruppe entscheidet sich in jüngeren Jahren, einen Katamaran für einige Jahre als Kauf-Charter-Objekt in einem seriösen Charterunternehmen einzusetzen, um vielleicht später selbst auf Reisen zu gehen.

Welche Fragen sollte ein guter Multihull-Händler beantworten können, wenn es darum geht, das richtige Schiff zu finden und die Finanzierung zu klären?
Ein guter Händler sollte in der Lage sein, alle Fragen rund um den künftigen Multihull ausführlich und mit Sachverstand zu beantworten. Den Antworten sollte aber eine aufmerksame Analyse des Vorhabens beziehungsweise der Reisepläne vorangehen. Ohne Analyse kann eine individuelle Beratung nicht funktionieren. Erst danach kann der Fachhändler wertvolle Hinweise auf den geeigneten Typ, die richtige Größe und die für das bevorzugte Seegebiet passende Ausrüstung geben.
Beim Thema Kauf-Charter sollte der Händler auch fundiertes Wissen, insbesondere in den Fachgebieten Recht und Steuern, vermitteln können.

Würden Sie sagen, dass Monohull-Segler, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Multihull zu kaufen, gut beraten sind, vorab zu chartern oder ein Manövertraining zu absolvieren?

Für Segler/innen mit geringer Erfahrung hinsichtlich größerer Yachten sind Mitsegeln, Chartern oder Manövertrainings sicher eine gute Möglichkeit, einen intensiven Eindruck von der einfachen Handhabung eines Katamarans zu bekommen. Für erfahrene Monohull-Segler kann ein halbtägiges Probesegeln, wie es beispielsweise Werften anbieten, genügen, um die Performance eines Multihulls und seine großzügigen Lebensräume kennenzulernen.

 

Mehr über den Multihullboom in Ausgabe 9/2017


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