Fahrtensegeln

Interview: Das erste Mal auf einem Katamaran

Wie können absolute Nichtsegler für das Segeln begeistert werden? Mit einem Törn auf einem komfortablen Katamaran in einem attraktiven Urlaubsrevier vielleicht? Julia und Arif waren das erste Mal Segeln und das auf einem Katamaran. So haben sie den Törn empfunden

Als Ihr das Schiff zum ersten Mal gesehen habt, was dachtet Ihr da?
Julia: Es kam mir riesig vor. Gleichzeitig habe ich aber überlegt, wie wohl sechs Leute darauf eine ganze Woche lang Urlaub machen sollten.
Arif: Auch mir kam es groß vor und sehr luxuriös. Ich hab mich allerdings gefragt, wie ein derartiges Schiff überhaupt segeln kann. Das war für mich schwer vorstellbar.

Während Ihr Euch unter Deck umgeschaut habt, welche Gedanken schossen Euch durch den Kopf?
Arif: Beeindruckend fand ich, dass jede Kabine ein eigenes Bad hat. Dafür haben wir wenig Stauplätze für Taschen und Koffer gefunden und sie später über das gesamte Schiff verteilt. Glücklich war ich, dass das Bett lang genug war. Bei 1,97 Meter Körpergröße ist das keine Selbstverständlichkeit.
Julia: Beim ersten Blick in unsere Kabine war ich überrascht, wie groß sie ist. Trotzdem muss man sich daran gewöhnen, dass der Platz begrenzt ist.

Wie beschreibt Ihr den ersten Segeltag?
Arif: Die Bewegungsfreiheit an Deck hat mir gefallen. Ich bin viel herumgewandert. Vom Cockpit auf das Trampolin, vom Steuerstand nach hinten. Das Herumklettern hat sich abenteuerlich angefühlt, und ich hatte immer wieder einen anderen Blick auf das Wasser.
Julia: Ich habe mich sicher gefühlt. Bei Schräglage hätte ich vielleicht Angst bekommen. Am schönsten fand ich es, nachdem wir die Motoren ausgestellt hatten. Unter Segeln schleicht man durch die Wellen. Dann ist es wunderbar leise.

Nach sechs Tagen Kat-Urlaub würde ich gern wissen, wie sich das Segeln insgesamt für Euch angefühlt hat.
Julia: In den ersten Tagen, als wir nur wenig Wind hatten, habe ich mich hin und wieder zum Sonnenbaden auf das Deck gelegt, was wirklich angenehm war, gleichzeitig habe ich mich aber gefragt: War es das jetzt mit dem Segeln? So langsam kommt man voran? Später, als es richtig zur Sache ging, fand ich das Segeln viel aufregender. Da musste man aufmerksam sein, gut zuhören und konnte das Segeln viel besser wahrnehmen.
Arif: Genau das habe ich auch empfunden. Als wir mit normalen Windstärken gesegelt sind, fand ich das entspannend, aber nicht spannend. Bei sechs Windstärken begann das Abenteuer. Man fühlte das Schiff, musste sich festhalten, hat Lebendigkeit gespürt.

Segel-Urlaub unterscheidet sich deutlich von Hotel-Ferien. Wie gefiel Euch das Leben an Bord?
Julia: Dadurch, dass wir uns alle kannten, hat man sich relativ schnell aneinander gewöhnt. Nach fünf Tagen habe ich aber festgestellt, dass ich Auszeiten brauche, mich auch mal zurückziehen muss. Vor allem abends, nach einem langen Tag, den man zusammen verbracht hat. Andererseits ist es aber auch nett, im Salon zusammen zu sitzen oder draußen am Cockpittisch.
Arif: Mir kam es nicht so beengt vor, was sicher typbedingt ist. Tagsüber habe ich mir öfter Kopfhörer aufgesetzt und mich nach vorn zurückgezogen. Für mein Empfingen gab es genug Rückzugsorte.

Wie hat Euch das Revier gefallen?
Arif: Schön, aber etwas eintönig. Am besten hat mir das Schnorcheln gefallen. Ich habe so viele Fische gesehen und Seesterne...
Julia: Superschön, weil es immer was zu sehen gab. Ich hätte mir allerdings mehr Strände gewünscht, dann hätte man tagsüber auch mal an Land gehen können. Immer mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, ist für jemanden, der es nicht gewohnt ist, Tag und Nacht an Bord zu verbringen, sehr angenehm...

Könntet Ihr euch vorstellen, noch einmal einen Segelurlaub zu verbringen?

Arif: In derselben Konstellation sofort. Allerdings würde ich vorher Segeln lernen wollen, damit ich aktiver sein kann. Während des Segelns haben mir die Wetterbedingungen, selbst der Regen, nichts ausgemacht.
Julia: Beim nächsten Mal würde ich zu einer anderen Jahreszeit fahren oder in einem Revier, in dem es wärmer ist und in dem es mehr Strände gibt. Und ich würde, wie Arif, vorher noch viel mehr über das Segeln wissen wollen. Für den ersten Trip war der Urlaub aber cool, ganz anders, aufregend und ereignisreich.

Mehr über den Törn auf einem Katamaran in Kroatien in Ausgabe 9/2017

Interview: Silke Springer


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