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Wie COSPAS-SARSAT funktioniert

EPIRBs und PLBs senden ein Notsignal, das von Satelliten im Orbit empfangen wird. Doch wie ist das System entstanden und wie funktioniert es?

Mitten im Kalten Krieg arbeiteten sowohl die Sowjetunion als auch die USA, Frankreich und Kanada an einem System, um Notrufe weltweit zu empfangen, weiterzuleiten und Hilfe zu leisten. Zuerst arbeiteten beide Gruppen noch an einem eigenen System, doch es stellte sich heraus, dass ‚weltweit’ bedeutet, zusammen etwas aufzubauen. So verschmolzen das russische COSPAS (Kosmitscheskaja Sistema Poiska Awarinych Sudow) und das westliche SARSAT (search and rescue satellite-aided tracking) zu einem einheitlichen System – COSPAS-SARSAT. Zu Beginn des Programms bestand das System aus Satelliten, die in einer niedrigen Umlaufbahn die Erde umkreisen. Diese LEOSAR (Low Earth Orbit Search and Rescue) genannten Satelliten decken auf ihrer Reise um die Erde nur ein vergleichweise kleines Gebiet ab, überfliegen allerdings die Pole. Daher überfliegen LEOSAR-Satelitten nie zur gleichen Zeit die gesamte Erdoberfläche, sondern erarbeiten sich die Fläche Stück für Stück wie ein Rasenmäher, der systematisch eine große Wiese mäht.

Die polumlaufenden LEOAR-Satelliten umkreisen die Erde auf verschiedenen Bahnen und überfliegen jeden Punkt der Erde - allerdings nie zeitgleich

Im Notfall kann es daher bis zu vier Stunden dauern, bis ein Notruf auf 406 Megahertz von einem der LEOSAR-Satelliten empfangen und weitergeleitet werden kann. Zuerst muss der Satellit den Sender überfliegen und das Signal empfangen, das er vorerst an Bord speichert. Sobald er ein sogenanntes LUT (Local User Terminal) überfliegt, sendet er die gespeicherte Nachricht an die Bodenstation, die wiederum die Rettungskette startet. Vor der Verbreitung des GPS hatten die LEOSAR-Satelliten zudem die Aufgabe, ein Notsignal (ohne GPS-Position) anhand des Dopplereffekts zu orten. Diese Art der Positionsbestimmung ist bis auf drei Seemeilen genau, hat sich heute aber durch GPS größtenteils erübrigt.

Um die vergleichsweise langen Alarmierungszeiten der polumlaufenden Satelliten zu verbessern, ergänzte COSPAS-SARSAT das System um geostationäre Satelliten, die in einem relativ hohen Orbit stehen und der Erdrotation folgen. Sie stehen immer über dem gleichen Punkt auf der Erde und decken ein wesentlich größeres Gebiet ab. Allerdings nur bis maximal circa 70 Grad nördlicher und südlicher Breite. Beispielsweise liegt der nördlichste Teil der Ostsee auf circa 66 Grad nördlicher Breite so gerade eben im Empfangsgebiet. GEOSAR (Geostationary Search and Rescue) empfängt einen Notruf beinahe sofort und leitet ihn umgehend an eine der Bodenstationen weiter.

Die geostationären GEOSAR-Satelliten stehen über einem Punkt und folgen der Erdrotation. Die Polregionen sind nicht abgedeckt

Ende 2016 befanden sich fünf LEOSAR- und fünf GEOSAR-Satelliten im Betrieb. Nach Aussage von COSPAS-SARSAT konnten seit dem ersten Satelliten im Jahr 1982 insgesamt 41.750 Menschen mithilfe des Systems gerettet werden. Allein 2015 waren es 2.185 Menschen, wovon 1.615 aus Seenotfällen gerettet wurden. 74 auf der Erde verteilte Bodenstationen können die Notrufe empfangen und weiterleiten. In Zukunft soll das System noch weiter ausgebaut werden. So soll beispielsweise GPS, GLONASS und GALILEO-Satelliten mit einem COSPAS-SARSAT-Modul ausgestattet werden. Dieses System soll MEOSAR (Medium Earth Orbit Search and Rescue) genannt werden. Galileo soll in der Lage sein, ein Signal zurück zum Sender zu schicken, um den Empfang des Notrufs anzuzeigen. Für die Person in der Rettungsinsel oder im Wasser eine unglaublich beruhigende Tatsache.

Mehr über satellitengestützte Rettungssysteme und wie PLBs in Zusammenhang mit COSPAS-SARSAT funktionieren, lesen Sie in Ausgabe 6/2016.

Grafiken: Jan Bindseil


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