Boote & Ausrüstung

Antifouling streichen

Wann sollte das Antifouling aufgetragen werden? Im Frühjahr oder gar im Herbst? Jean-Pierre Martius von International beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Streichen des Antifoulings

Herr Martius, jedes Jahr greifen Bootseigner zu Pinsel und Rolle, um ihr Unterwasserschiff mit Antifouling zu beschichten. Wann ist denn der richtige Zeitpunkt zum Auftragen?
Die klimatischen Bedingungen sind im Herbst streng genommen am besten. Allerdings sind auch nicht alle Antifoulings dafür geeignet. In der Regel ist es aber im Produktblatt vermerkt, ob die Farbe vor dem zu Wasser lassen aufgebracht werden kann oder nicht.
Im Frühjahr müssen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit stimmen. Wenn die Rumpf­oberfläche konstant fünf Grad Celsius misst, kann es los gehen. Klettert das Thermometer nur für einen Tag auf acht Grad und fällt in der Nacht wieder auf minus vier, kann sich auf dem Rumpf Kondenswasser bilden und die Haftung des Antifoulings beeinflussen. Ein zuverlässiger Test, um den richtigen Punkt abzupassen, ist es, eine dünne Plastikfolie auf den Rumpf zu kleben. Beschlägt die Folie von innen, ist der Rumpf noch zu kalt und der Zeitpunkt zu früh.

Muss die Oberfläche vor dem Auftragen noch extra behandelt oder zwischengeschliffen werden?
Der Rumpf muss sauber sein. In der Regel reicht es aus, wenn das Schiff im Herbst nach dem Kranen abgespritzt wurde, um Schleim und Algen abzuwaschen. Ist das Unterwasserschiff stark verschmutzt, mit sauberem Wasser abspülen und gut trocknen lassen, bevor das Antifouling aufgetragen wird. Weichantifouling braucht nicht zwischengeschliffen zu werden, da es sich selbst abnutzt. Bei Hartantifouling empfehle ich, alle zwei bis drei Jahre das Unterwasserschiff anzuschleifen, um einen zu starken Schichtaufbau und ein Ablösen der alten Schichten zu vermeiden. Gerade bei Antifouling immer Nassschleifen, um den giftigen Staub zu binden.

Womit sollte das Antifouling aufgetragen werden?
Der Pinsel eignet sich nur für schwierige Stellen, wie Ecken oder Feinarbeiten. Um wirklich Fläche streichen zu können, kommt nur die Rolle infrage. Hier gibt es zwei verschiedene Arten: die Mohair-Rolle und die aus Schaumstoff. Mit der Schaumstoffrolle kann eine glattere Oberfläche erreicht werden, aber die Schichtstärke ist dünner, sodass im Endeffekt mehr Schichten aufgetragen werden müssen. Antifouling sollte auch nicht mit Verdünnung gestreckt werden, da die Schichtstärke so unnötig reduziert wird, was den Bewuchsschutz im Endeffekt reduziert.

Kann ein altes, nicht bekanntes Antifouling einfach übergestrichen werden?
Nein, so einfach ist es leider nicht. Zwar kann es durchaus halten, aber vielleicht auch nicht. Wir empfehlen, eine Schicht Primocon als Sperrgrund aufzutragen und darauf das neue Antifouling zu pinseln. Allerdings muss der Untergrund in Ordnung sein. Hat das alte Antifouling einen Riss oder blättert ab, kann auch Primocon nichts mehr retten und alles muss runter und neu aufgebaut werden. Das nimmt in der Regel einige Tage in Anspruch und das Wetter muss in der Zeit auch stimmen. Am besten gleich einen wirksamen Osmoseschutz mitaufbauen.


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