Ausrüstungstest

AIS-SARTs im Test

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Kleine Funksender mit eingebautem GPS-Empfänger ermöglichen eine sehr genaue Ansteuerung von Crewmitgliedern, die über Bord gegangen sind. Diese sogenannten AIS-SARTs haben wir uns in einem Test vor einiger Zeit genauer angesehen

Ein Crewmitglied geht bei Wind und Wellengang über Bord – die Crew ist von einer Sekunde auf die andere in höchster Alarmbereitschaft. Adrenalin fließt. Bis die Positionen an Bord für die Notsituation verteilt sind, vergeht Zeit, dann klemmt die Schot auf der Winsch, und der Überläufer verhindert ein flüssiges Wendemanöver. Schnell ist das Boot fünf oder sechs Bootslängen von der Unfallstelle entfernt, der MOB längst außer Sicht. Die Chancen, ihn bei ungünstigen Wellen- und Wetterbedingungen wieder zu finden, sind nicht sehr groß.

Mit einem AIS-SART (Automatic Identification System/Search And Rescue Transmitter), einem etwa smartphone-großen Gerät, das am Körper getragen wird, ist in so einer Situation alles anders: Maximal zwei Minuten nach der automatischen oder manuellen Aktivierung funkt der nicht registrierungspflichtige Notsender ein AIS-Signal via UKW in den Äther, das die GPS-genaue Position des im Wasser Treibenden sowie eine individuelle Gerätecodierung beinhaltet. Im Idealfall erscheint jetzt auf dem Plotter ein roter Kreis mit rotem Kreuz, das die tatsächliche, also laufend aktualisierte, Position des MOB anzeigt. In der geräteinternen Text-Liste der AIS-Ziele in Reichweite ist der SART alphanumerisch spezifiziert. Die Ansteuerung kann jetzt zielgenau und in aller Ruhe erfolgen, die Batterien in den Sendern halten laut Herstellern zwischen 24 und 96 Stunden. Fünf dieser Geräte haben wir auf dem Wasser getestet, zwei davon sind allerdings vergleichsweise voluminös und für den Einsatz in der Rettungsinsel gedacht (Jotron und McMurdo „S5“). Die drei anderen Modelle (Kannad „R10“, McMurdo „S10“ und Weatherdock „Easyrescue) lassen sich durchaus am Körper führen oder sogar in die Automatikweste integrieren. Die Geräteklasse ist relativ neu, das erklärt die geringe Modellauswahl. Standards gibt es (noch) keine und hier und da hakt es bei technischen Details. So ist etwa der „Safelink R10“ von Kannad nicht schwimmfähig und sollte tunlichst auch in der größten Stresssituation im Wasser treibend niemals losgelassen werden, da er sonst in den Tiefen der See verschwindet. Auch kann man darüber streiten, ob alle derartigen Geräte sich automatisch aktivieren lassen sollten – etwa bei dauerhaftem Wasserkontakt oder über eine Reißleine, die automatisch gezogen wird, wenn das Gerät in eine Automatikweste integriert ist. Schließlich kann der ein oder andere unerfahrene Segler mit der manuellen Bedienung überfordert sein. Zumal dann, wenn der SART nicht im Sichtbereich an der Weste montiert ist. Von ohnmächtigen Personen im Wasser ganz zu schweigen. Außerdem muss bei den Modellen darauf geachtet werden, dass die Zone des GPS-Empfängers nicht abgedeckt ist. Die ist zwar deutlich als solche markiert, aber ob sich solche expliziten Bedienhinweise immer befolgen lassen…

Wichtig ist bei allen Geräten, einen regelmäßigen Funktionscheck durchzuführen. Ein bis zweimal pro Jahr sollte das Gerät über den Selbsttest geprüft werden.

 

So haben wir getestet

Vor Rostock/Warnemünde haben wir fünf verschiedene SARTs im Wasser getestet. Dabei wollten wir in Erfahrung bringen, wie schnell die internen GPS-Module Signale der Satelliten empfangen, um sie dann in der AIS-Meldung weiter zu funken. Ein weiteres Kriterium, das wir geprüft haben, ist die Reichweite. Dafür haben wir die SARTs in zwei Lagen aktiviert: Knapp unter der Wasseroberfläche, um die Empfangs- und Sendeleistung unter maximal schlechten Bedingungen zu prüfen, sowie etwa 40 Zentimeter über der Wasseroberfläche. Am ausgestreckten Arm kann niemand dauerhaft ein AIS-SART in die Höhe halten, abgestützt auf der Oberseite eines Schwimmkörpers hingegen schon.

Dieses Prozedere haben wir in drei verschiedenen Entfernungen vom Empfangsschiff durchprobiert. Die SARTs mussten aus zwei, vier und sechs Seemeilen ihre Signale senden. Spannend wurde es ab der Distanz von vier Seemeilen, da manche Hersteller die maximale Reichweite mit dieser Entfernung beziffern. Die See vor Warnemünde war am Testtag ruhig, die Wellenhöhe betrug 20 Zentimeter. Neben den AIS-SARTs, die am Körper getragen werden sollten, wie der „R10“ von Kannad, der „S10“ von McMurdo und der Easyrescue, haben wir zwei weitere Produkte in der Testgruppe gehabt, die allerdings primär für den Gebrauch in einer Rettungsinsel konzipiert wurden: Die „Tron AIS-SART“ von Jotron und der „S5“ von McMurdo zeigen das schon durch ihre voluminöse Bauform an.

 

Automatische oder manuelle Aulösung

Aktiviert werden fast alle SARTs manuell durch Drücken oder Drehen von Knöpfen oder Schaltern. Das setzt voraus, dass die über Bord gegangene Person hierzu noch in der Lage ist und die Bedienung aktiv durchführen kann. Das Einschaltprozedere am Modell „Smartfind S10“ von McMurdo ist eindeutig: Der drehbare Gehäuseteil am unteren Ende lässt sich lediglich zu Testzwecken frei in die eine Richtung drehen. Die andere Richtung ist so lange blockiert, bis ein Splint mit roter Zuglasche (Beschriftung „Pull To Arm“) aus dem Gehäuseboden entfernt wird. Zudem ist die Halteposition des Gerätes mit Bildern und Text auf dem Gehäuse erklärt.

Bei dem „Safelink R10“ von Kannad wird zuerst eine orangefarbene Sicherungsplatte seitlich aus dem Gehäuse gezogen, dieser Schritt ist durch eingeprägte Pfeile nachvollziehbar. Dann jedoch ist lediglich der Knopf für die Testfunktion zugänglich. Der erforderliche zweite Schritt, das nur gegen hohen Widerstand mögliche Abziehen der roten Gehäusekappe, ist für flüchtig eingewiesene Crews in der Stresssituation „MOB“ nicht auf Anhieb erkennbar. Zwar kommt auf der Sicherungsplatte ein „Pull“ zum Vorschein, doch die Platte baumelt an einem elf Zentimeter langen Bändsel am Gehäuse und wird unter Umständen nicht mehr als wichtig und als Aktivierungshilfe erkannt.

Der AIS-SART „Easyrescue“ von Weatherdock lässt sich wie der „Smartfind S10“ eindeutig bedienen. Piktogramme und Text erklären sowohl die Test- als auch die Einschalt-Funktion mit je einem Knopf unmissverständlich. Als einziger Hersteller bietet Weatherdock mit dem „Easyrescue-A A049“ auch ein Modell mit automatischer Aktivierung an, die bei vollständigem Wasserkontakt (mindestens zwei Sekunden) anspringt, sofern sich der SART in entsprechender Position befindet. Die Anleitungen an den Geräten der AIS-SARTs für den Gebrauch an Bord einer Rettungsinsel Jotron „Tron AIS-SART“ und McMurdo „Smartfind S5“ sind eindeutig. Eine Fehlbedienung der manuellen Auslösung ist selbst in der Stresssituation höchst unwahrscheinlich.

 

Bauformen

Die fünf AIS-SARTs im Test weisen sehr unterschiedliche Bauformen auf, was sowohl mit ihrem von den Herstellern vorgesehenen Einsatzzweck als auch mit der technischen Ausstattung zu tun hat. Am kleinsten ist der „Safelink R10“ von Kannad, der für den Einsatz direkt an der Person gedacht ist. Das Gerät ist kaum höher als ein aktuelles Smartphone, allerdings deutlich schmaler, dafür etwa doppelt so dick. Das sehr handliche Gerät konnte so kompakt gebaut werden, da die Batterie lediglich 24 Stunden lang Power liefert und entsprechend klein ausfallen kann. Auch der Verzicht auf Auftriebskörper spart Raum. Deutlich größer (von Höhe und Breite her mit einem weit verbreiteten Smartphone vergleichbar, aber doppelt so dick) ist das Modell von Weatherdock „Easyrescue-A“, das auch noch als persönlicher Sender durchgehen kann. Hier beansprucht die große, mindestens 96 Stunden lang stromliefernde Batterie einen Großteil des Volumens. Da dieses Gerät zudem schwimmfähig ist, muss ein nicht unerheblicher Teil des Innenraumes als Luftspeicher dienen, der das Gerät an der Wasseroberfläche hält. Bei den Modellen, die für den Einsatz in Rettungsinseln gedacht sind, wie der „S5“ von McMurdo oder der „Tron AIS-SART“ von Jotron, kommt es auf den letzten Kubikzentimeter Volumen oder auf das letzte Gramm Gewicht ohnehin nicht an. Hier geht es in erster Linie um optimierte Formen und vollständig gekapselte Bauteile. Die Antennen sind beispielsweise nicht wie bei den kleinen Handgeräten freiliegend, wo sie im ungünstigsten Fall sogar abknicken oder brechen könnten, sondern vollständig in die robusten Gehäuse eingebunden.

 

Nicht mit PLBs verwechseln!

Obwohl AIS-SARTs äußerlich den PLBs sehr ähneln, funktionieren die sogenannten Personal Location Beacons nach einem anderen Prinzip: Nach Empfang des GPS-Signals wird ein Notrufsignal auf der Frequenz 406 MHz an die COSPAS-SARSAT-Satelliten gesendet, die das Signal an Bodenstationen weiterleiten. Zur genaueren Peilung wird außerdem auf 121,5 MHz ein Signal gesendet, das die Retter vor Ort direkt zum Verunfallten hinführt. Die PLBs müssen im Gegensatz zu AIS-SARTs in Deutschland angemeldet werden und sind entweder mit der bootseigenen MMSI programmiert oder im Ausland auf eine Person zugelassen. Das Thema PLB haben wir ausführlich in Ausgabe 6/2017 behandelt, die hier portofrei bestellt werden kann.

 

Hier die Ergebnisse des AIS-SART-Tests als PDF herunterladen


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