Ausrüstungstest

19 Segelhandschuhe im Test

Download Heftinhalt pdf
Die Hände sind an Bord vielfältigen Beanspruchungen ausgesetzt. Um sie zu schützen, bieten die Bekleidungshersteller eine große Anzahl Handschuhe in verschiedenen Ausführungen an. SEGELN testete 19 Paare mit kurzen Fingern

Für den einen sind sie eine Schmach und das Eingeständnis der eigenen Schwäche schlechthin, für den anderen wiederum sind sie ein unerlässlicher Teil der persönlichen Schutzausrüstung beim Segeln. Warum das Thema Handschuhe so unterschiedlich betrachtet wird, soll hier aber nicht weiter thematisiert werden. Fest steht, Handschuhe schützen die empfindlichen und exponierten Hände beim Segeln vor unbeabsichtigten Stößen, Verbrennungen durchrauschender Schoten oder ganz allgemein vor Verletzungen – unabhängig, ob mit ihnen auf einer Jolle regattiert wird oder auf einer Fahrtenyacht der Feierabend genossen wird. Die Anforderungen, die an sie gestellt werden, erscheinen auf den ersten Blick simpel: Sie sollen gute Griffigkeit und vor allem Schutz bieten und zudem sollen sie möglichst lange halten. Der Komfort beim Tragen stellt ein weiteres Kriterium dar, welches aber erst nach langem Tragen während der Saison beurteilt werden kann. Daher findet dies nur am Rande Eingang in diesem Test. So konnten Handschuhe zum Beispiel einen Extrapunkt erlangen, wenn sie vorgeformte Finger hatten, was den Tragekomfort und die Beweglichkeit der Finger verbessert.

Die Qual der Wahl
Schaut man in die Kataloge der Hersteller, finden sich meist zahlreiche Modelle in verschiedenen Ausführungen. Es gibt Handschuhe mit langen Fingern, mit nur zwei geschnittenen Fingern, mit kurzen Fingern, mit 3/4 Fingern, wasserdicht, mit und ohne Futter, aus Neopren, aus Leder oder aus Kunstleder. Für welche Art Handschuh man sich letztlich entscheidet, hängt primär von persönlichen Vorlieben ab. Wir entschieden uns, in den Test nur Modelle mit kurzen, beziehungsweise mit 3/4 Fingern einzubeziehen. So konnte eine gute Vergleichbarkeit erzielt werden. Außerdem können mit dieser Art Handschuhe Knoten und Schäkel leicht geöffnet werden. Der Schutz der Hände ist dabei trotzdem noch ausreichend gegeben.

Ein Kompromiss
Insgesamt kann gesagt werden: Segelhandschuhe sind ein Kompromiss aus Griffigkeit und Haltbarkeit. Je besser der Grip eines Handschuhs, desto stärker ist seine Abnutzung und entsprechend kürzer seine Lebensdauer. Umgekehrt gilt: Je länger ein Handschuh hält, umso weniger griffig ist das Material. Dies liegt vorrangig an den verwendeten Materialien. Gummierte Oberflächen zeigen eine hervoragende Griffigkeit, verschleißen aber auch sehr schnell und sind nicht besonders resistent gegen Reibungswärme, wie sie zum Beispiel beim Durchrauschen einer Schot entsteht. Ein gutes Beispiel hierfür ist der AWN Regatta-Handschuh (14,99 Euro). Zwischen Daumen und Zeigefinger ist der Handschuh mit einem Kunststoff beschichtet, der eine sehr hohe Griffigkeit gewährleistet, aber beim Durchrauschen einer Schot schon nach kürzester Zeit schmilzt.
Eine Ausnahme bildet unter anderem der Marinepool AGT 37 (43,90 Euro). Hier sind sowohl die Abrieb- als auch die Griffigkeitseigenschaften im guten Bereich, was auch an den Kevlar-Verstärkungen an der Handinnenseite liegt, die das darunterliegende Material schützen.
Handschuhe, bei denen ein Teil oder die gesamte Handinnenseite aus Echtleder besteht, besitzen die besten Werte gegen Abrieb. Der Testsieger Musto Evolution Sailing Glove (69 Euro) zeigte die geringsten sichtbaren Spuren (fast keine) nach dem Test, hat aber trotzdem noch akzeptable bis gute Griffigkeit. Es ist davon auszugehen, dass dieser Handschuh auch mehrere Saisons aktiven Segelns überstehen kann.
Eine weitere Erkenntnis des Tests: Im trockenen Zustand leiden Handschuhe aus Kunstleder extrem unter Reibbelastung. Die Temperaturen die beim Durchrauschen der Schot auftreten, lassen die Gummierung und das Kunstleder sehr schnell schmelzen. Im nassen Zustand ist dieser Effekt bei Weitem nicht so stark zu beobachten. Daher ein Tipp: Vor Gebrauch das Handschuhpaar in Wasser tränken. Soll ein Handschuh zum Beispiel beim Rudergehen getragen werden, ist dies natürlich nicht notwendig, da es zu keiner nennenswerten Reibung kommt.

Fazit
Die Testergebnisse geben einen Überblick über die zu erwartenden Eigenschaften. Zusätzlich spielen die beabsichtigte Nutzung und letztlich der Preis eine Rolle bei der Kaufentscheidung.


Subscribe to Segeln News