Weit über 100.000 Designstunden flossen in den Tri
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Das Hauptkriterium dabei: „Der leichteste Entwurf hat beste Chancen auf
den Gewinn!“, erläutert Design-Koordinator Ian Burns, aber „der
leichteste Weg, ein Design leichter zu machen, ist auch, den Faktor
Sicherheit zu reduzieren.“ Vor allem am innovativen Wing-Sail testete
man bei BMW Oracle stets am Limit, was zwischenzeitlich auch zum
Mastbruch vor San Diego führte. Das Flügel-Segel besteht zum größten
Teil aus Karbonfasern und Kevlar und ist überzogen von einer in der
Luftfahrt gebräuchlichen Haut, die sich zusammenziehen kann. Unter ihr
befinden sich elf bewegliche Klappen, über das ganze Segel verteilt.
11 Klappen trimmen den Mast
Den Vorteil erklärt Luftfahrtspezialist Joseph Ozanne: „Man kann den
Flügel über diese 11 Klappen viel differenzierter auf die
Windbedingungen hin trimmen als das bei einem herkömmlichen Soft-Sail
der Fall ist, bei dem die Form nur über Kopf, Hals und Schothorn
bestimmbar ist.“ Rund 40.000 Arbeitsstunden wurden so allein in diese
Konstruktion investiert. Zudem benötige man deutlich weniger Zugkraft,
auch wenn die nicht mehr – wie bisher – über menschliche Grinder kommt,
sondern über einen 110 PS starken Hydraulikzylinder: „Großschot,
Cunningham, Traveller oder der Kicker (Baumniederholer) können so um
ein Vielfaches schneller justiert werden“, was schnellere Wenden
erlaube, erläutert Francesco Pozzi mechanischer System-Designer des
Teams. „Mal abgesehen davon, dass acht Männer diese Power nur für 3 bis
4 Sekunden durchhalten würden.“
Was hat das noch mit Sport zu tun?
Was das noch mit Sport zu tun hat? Das ist beim America´s Cup der
falsche Denkansatz, denn darum ging es hier eigentlich nie allein.
Immer war die Magie dieses Mega-Events auch von den Macho-Mentalitäten
zweier „Big Ego´s“ (Yachting Monthly) geprägt, die mit maritimen
Hightech-Spielzeugen sportliche Seeschlachten inszenierten. Das kann
man als einfacher Fahrtensegler mögen oder verachten; es ist schlicht
Teil dieses irrationalen Spektakels. So gesehen war der letzte Cup 2003
vor Valencia in seinem geordneten Ablauf mit dem Louis Vitton-Cup als
Vorrunde und Ausscheidungsregatta auch eher die Ausnahme und glich
einem modernen Sportwettkampf wie einer Weltmeisterschaft. Die Wurzeln
des Cups liegen aber in einer Urkunde aus dem Jahre 1887 begründet und
deren veralteten Regeln gleichen denen eines Ehrenhandels zwischen
beleidigten Adligen im 19. Jahrhundert: Der Herausforderer bestimmt die
Waffen (Ellison wählte Mehrrumpfboote), der Verteidiger Ort und Zeit
(Bertarelli wählte Valencia).
Noch 2003 schien sich der America´s Cup endlich vom Hobby spleeniger
Krösusse zu einem modernen Profisport-Event zu wandeln, aber jetzt – im
158. Jahr seiner Existenz – ist er wieder das, was er immer war: ein
Spielball überdrehter Milliardäre, schreibt Peter Sandmeyer.
Vielleicht rettet seine Aura den Cup
„Aber
vielleicht rettet genau das seine Aura und bewahrt ihn davor, in die
banale Mittelmäßigkeit eines gewöhnlichen, plan- und berechenbaren
Sportevents abzurutschen.“
Nun, gewöhnlich ist dieser Cup gewiss nicht. Allein die endlosen
Streitereien über drei Instanzen belegen das. Und auch wenn morgen das
erste von drei Rennen in seiner 33. Wiederholung seit 1851 stattfindet
(das erste wurde gestern flautenbedingt verschoben), steht der Gewinner
wohl vermutlich auch nach dem dritten Rennen noch nicht fest. Denn die
beiden Egos streiten immer noch vor Gericht. Nicht alle Bauteile
sollen, wie es die Regeln verlangen, im eigenen Land gefertigt sein.
Aber warten wir erst einmal die Seeschlacht ab; um den Rest kümmern
sich dann vermutlich wieder die Bataillone von Rechtsanwälten. Aber
auch dieser Hahnenwettkampf zweier überkandidelter Streithähne, die
sich bis in die Absurdität duellieren, ist ja irgendwie Amusement.