Wing gegen normales Segel: "Wing is king"
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Eine harte Entscheidung. Hat Bertarelli wirklich zu spät mit seinem
Ausweichmanöver begonnen? Es gibt keine Definition, keine
Erfahrungswerte für diesen Bootstyp. Die Regel besagt: „rechtzeitig“.
Aber was ist rechtzeitig für Mega-Multis?
Schlimmer kann dieses Rennen für Alinghi nicht beginnen. James Spithill
am Steuer der „USA“ gelingt es danach sogar, in der fünfminütigen
Vorstartphase eine klar dominierende Position einzunehmen. Er blockiert
den Gegner. Alinghi ist gefangen. Das Rennen scheint vorbei, bevor es
begonnen hat.
Aber dann steht „USA“ im Wind. Wie Anfänger treiben die Amerikaner
rückwärts. Sie müssen hilflos zusehen, wie Alinghi sich aus der
Umklammerung löst und eine aussichtslose Position. Als der Startschuss
fällt, treibt BMW Oracle noch rückwärts. Alinghi startet mit einer
Minute und 27 Sekunden Vorsprung.
Wie hoch können die Boote an den Wind?
Aber dieses Rennen ist lang. 20 Meilen. So wie es seit 1851 in der
Stiftungsurkunde für den America´s Cup steht. Nun muss sich zeigen, wie
gut die Designer gearbeitet haben, welcher Speed erreicht wird, wie
hoch die Boote an den Wind gehen können.
BMW Oracle segelt hinterher. Das Schiff mit den drei Rümpfen krängt
deutlich mehr zur Seite. Aber der 68 Meter hohe Flügelmast wird per
Motor und Hydraulik 15 Grad nach Luv gezogen. Nun muss sich zeigen wie
effektiv dieses feste Profil mit den neun beweglichen Segmenten im
Vergleich zum konventionellen Alinghi-Segel ist.
Der Katamaran geht mit einem Vorsprung von 650 Metern über die
Startlinie. Bei einer Windstärke von 5 Knoten erreichen beide Boote die
20 Knoten-Marke. Vierfache Windgeschwindigkeit am Wind. Das sind
unglaubliche Werte.
„USA“ holt langsam auf. Nicht weil der Trimaran schneller ist. Er
segelt etwas höher am Wind. Bei dem wenigen Wind ist noch ein
zusätzliches Vorsegel gesetzt. Sechs Minuten nach dem Start ist der
Abstand auf 360 Meter gesunken. Aber dann gibt Alinghi wieder Gas. 430
Meter. 12 Minuten lang sind die Boote etwas gleich schnell.
Bei viel Wind ist das Vorsegel störend
Dann macht James Spithill ernst. Nach exakt 15 Minuten und 27 Sekunden
überholt der australische Steuermann den Schweizer Katamaran. Der Wind
nimmt zu auf 7 Knoten. Das Vorsegel auf „USA“ flattert. Ein Schaden?
Nein, es wird eingerollt. Es ist überflüssig. Bei höherer
Geschwindigkeit ist sein Widerstand größer als der Vortrieb.
BMW Oracle fällt durch das Manöver kurz zurück. Nach einer halben
Stunde beträgt der Vorsprung nur 150 Meter. Alinghi Fans schöpfen
Hoffnung. Aber die Schweizer haben keine Chance. Eineinhalb Stunden
nach dem Start liegen sie an der einzigen Wendetonne über einen
Kilometer zurück.
Das ändert sich auch nicht auf dem abschließenden Vorwindkurs. Und das
ist die eigentliche Überraschung. Hier waren dem leichteren Katamaran
klare Vorteile eingeräumt worden. Nach zwei Stunden und 30 Minuten
quert „USA“ die Ziellinie 3800 Meter vor dem Konkurrenten.
Niemand glaubt, dass sich dieses Bild beim zweiten entscheidenden Rennen am Sonntag ändern könnte.