Im abgedunkelten BMW Oracle „Cinema“ mit den roten Kino-Sitzen haben sich knapp ein Dutzend Kameras auf ihn gerichtet. Notizblöcke rascheln, Blitzlichter flashen. Als würde der Tri-Pilot gleich zur Erklärung anheben, warum er heute den Schweizer Kat zu Klump gefahren hat.
Dabei sagt Spithills Miene: Es gibt eigentlich nichts zu berichten. Nur, dass er heute sehr gerne gesegelt wäre, sein Team keine Sicherheitsbedenken hatte und er „ready to go“ war. Das heißt übersetzt: die Schweizer sind Weicheier. Und beim nächsten Mal, lieber Wettfahrtleiter, lass uns gefälligst segeln.
Spithill teilt aus, ohne dass man es merkt
Aber nein, die Entscheidung von Wettfahrtleiter Harold Bennett stellt er natürlich nicht in Frage. Das sei ein guter Mann. „Ich habe vollstes Vertrauen.“ Spithill teilt aus, ohne dass man es merkt. Er baut psychologischen Druck auf, der seinem Team helfen mag. Und doch bleibt er höflich und sympathisch.
Vor zweieinhalb Jahren hatte der Jungspund am Luna-Rossa-Steuer noch wenige Auftritte vor den Medien. Dabei besiegte er im Louis Vuitton Cup Halbfinale seinen jetzigen Arbeitgeber fast im Alleingang. Er erteilte BMW Oracle Steuermann Chris Dickson im fünften Rennen mit zwei Penalties eine Lehrstunde.
Dickson, der heute von damaligen Teammitgliedern offen als „Psychopath“ bezeichnet wird, wurde daraufhin für das letzte Semifinalrennen von Bord genommen. Dieser Erfolg war für Spithill die beste Bewerbung in eigener Sache. Larry Ellison verpflichtete den aufstrebenden Jung-Profi sofort nach dem Cup. Und er gab ihm schließlich auch das exponierte Steuer seines Mega-Tris in die Hand.
Der Australier ist sichtlich an der Verantwortung gewachsen. Vom aggressiven Vorstart-Shooter zum selbstbewussten Leader. Deutliche Geheimratsecken im kurzgeschorenen, rötlichen Haar tragen zum gereiften Gesamteindruck bei.
Man hätte auch einen erfahrenen Trimaran-Steuermann nehmen können. Der vermeintlich Beste, Franck Cammas, hat auch mit Spithill in San Diego trainiert. Aber der Franzose kann nicht deutlich schneller gewesen sein. Sonst hätte Teamchef Coutts den Steuermann sicher ausgetauscht.
Cammas aber blieb nur Berater und ist jetzt wieder mit Groupama unterwegs auf dem Weg um die Welt. Auch A-Cat- und Tornado-Weltmeister Glenn Ashby konnte dem Mehrrumpf-Neuling nicht den Platz am Tri-Ruder streitig machen. Vielmehr zeigte er Spithill auch, wie man erfolgreich A-Kat segelt.
Der Star drängt sich nicht auf
Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Entwicklung bei Alinghi. Dort kommt America´s Cup Sieger Ed Baird nicht ans Steuer. Und das hat wohl wenig damit zu tun, dass er ein Amerikaner ist.
Offenbar hat sich der 52-jährige Star des vergangenen Cups nicht aufgedrängt. Der Sieg bei der iShares Tour mit Extreme 40 Katamaranen war wohl nicht ausreichend, um den Boss Bertarelli und Mehrrumpf-Spezialist Loick Peyron vom Steuer zu verdrängen. Baird sagte am Mittwoch: „Natürlich bin ich traurig, nicht am Steuer zu stehen. Aber so lautete eben die Entscheidung.“
Spithill spielt seine Rolle am Mittwoch gut. Er hält den Mythos vom Starkwindrenner USA durch seine Aussagen aufrecht. Dabei gibt es durchaus Zweifel, dass der Trimaran harte Bedingungen so entspannt meistert, wie sein Team glauben lassen will.
So soll es im Vorfeld schon einen heftigen „Stecker“ des Leeschwimmers gegeben haben, bei dem die Kenterung nur deshalb verhindert werden konnte, weil ein Motorboot noch achtern am Luvschwimmer befestigt war. Es wurde heftig angehoben. Die Story kommt allerdings aus dem Alinghi Lager.
Wettfahrtleiter Harold Bennett ließ jedenfalls bei der abendlichen Pressekonferenz keinen Zweifel daran, dass die Bedingungen auf dem Wasser von keinem der beiden Boote zu meistern gewesen wären.
Zwei Meter Welle durch den Mistral
So habe der Mistral in Frankreich einen starken Schwell aus Nordost aufgebaut, dem ein 18 Knoten starker Westwind entgegen stand. „Nach einer Stunde draußen, 23 Meilen vor der Küste, waren alle auf dem Startschiff grün im Gesicht.“ Die Wellenhöhe erreichte bis zu zwei Meter. Dadurch sei die Sicherheit der Multihulls gefährdet gewesen.Er wird wohl recht haben. Und Spithill dürfte insgeheim auch über den Abbruch froh gewesen sein. Damit er beim nächsten Mal nicht den versammelten Medien erklären muss, wie er beim Überschlag aus 90 Fuß Höhe auf den Wing geknallt ist.
Der nächste mögliche Renntermin ist jetzt morgen. Die Chancen stehen laut Bennett nicht besonders gut. In den vergangenen drei Wochen habe es überhaupt nur etwa fünf segelbare Tage gegeben. Und die Teams haben sich nicht dazu entschlossen, auf den jeweiligen Ruhetag auch nach abgesagten Rennen zu verzichten.
Dieser 33. America´s Cup kann eine ganz zähe Geschichte werden. Aber so bleibt er sich wenigstens treu.