Schlick und Sterne!
So schön Lemkenhafen ist, ab Freitag wollen wir den frischen Westwind nutzen um den letzten langen … Weiterlesen →
So schön Lemkenhafen ist, ab Freitag wollen wir den frischen Westwind nutzen um den letzten langen Schlag bis Barhöft zu rauschen. Lang genug hat uns der Westwind an der schwedischen Südküste geärgert, nun weht er für uns aus der richtigen Richtung – wäre da nicht die enge Fahrrinnne die aus Lemkenhafen auf Fehmarn hinausführt.
Für dieses Stück kommt uns der Wind entgegen. Morgens noch mit etwa 5 Beaufort. Außerdem ist die ganze Bucht voller Seegras, das nur darauf wartet sich um den Propeller unseres Motors zu wickeln um seine Leistung runterzusetzen wenn wir ihn am dringendsten brauchen: Denn ein Abtreiben aus der Fahrrinne dürfen wir uns nicht erlauben. Ab dem Tonnenstrich wirds flach…auf beiden Seiten. Wir beschließen unsere Segelkunst unter Beweis zu stellen und aus der engen Rinne heruaszukreuzen. Besprechen lange den Ableger unter Segeln, der dann auch wunderbar klappt…und rammen dann den Kiel der Maike geradewegs neben die Fahrrinne in den Schlick. Was für ein Scheißgefühl mit geblähten Segeln auf der schräg liegenden Maike zu sitzen und sich kein Stück mehr zu bewegen. Wir waren schnell, aber noch nicht schnell genug um durch die Wende zu kommen. Mist.
So blöd so was auch ist, wir hätten uns keinen besseren Ort aussuchen können um auf Hilfe angewiesen zu sein, denn aus eigener Kraft kommen wir hier nicht mehr weg. Insa ruft Manfred zu dieser frühen Stunde an und er kommt mit dem Hafenmeister um uns frei zu schleppen. Wir brauchen einige Anläufe, helfen mit dem Torqeedo im Rückwärtsgang mit. Lehnen uns auf der unteren Seite ganz weit raus und zerren an den Wanten. Wie schön als es der 40PS Motor des Segelschulbootes endlich schafft! Die Maike schwimmt wieder, was für ein wunderbares Gefühl.
Ein ganz ganz herzliches Dankeschön nochmal, Manfred und Frank!
Wie befreit rauscht die Maike dann unter der Fehmarn-Brücke durch und scheint es kaum erwarten zu können ihren neuen Heimathafen zu erreichen. Es ist ein langer Schlag bis Barhöft aber der einzige Hafen der direkt auf der Strecke liegt ist Darßer Ort, dieser ist aber nur ein Notfall-Hafen und Liegeplatz für den DGzRS-Rettungs-Kreuzer. Es ist schon dunkel als wir auf Höhe von Darßer Ort sind aber wir sind beide noch fit genug um abwechselnd die Pinne zu halten. Schönes Segeln ist das: Bei bis zu 8 Knoten im Schmetterling auf den Wellen reiten, eine Sternschnuppe nach der anderen flitzt über den Sternenhimmel. Voraus der Leuchtturm von Hiddensee der mit seinem Leuchtkegel verkündet dass es nicht mehr weit ist bis zur Einfahrt am Gellertstrom (heißt der so?). An Backbord gibts Elektroparty: die Windräder von Baltic 1 blitzen rot, im Wechsel mit den geleben Lichtern der Warntonnen. Lichtspektakel von allen Seiten, abgehafren sieht das aus. Die Rinne westlich von Hiddensee nach Barhöft empfängt uns mit einem Tonnenkonzert. Rot Grün, unterbrochen in 2 Gruppen 9 Sekunden, Flash 4 Sekunden… wie war das noch mal mit den Kennungen? In gebührendem Abstand vom engen Fahrwasser üben wir die Kennungen zu unterscheiden, denn wir haben noch gut Fahrt unter Segeln und das Verwechseln von Tonnen-Kennungen kann hier schnell mit Festsitzen enden…im Dunkeln, bei Welle, ohne helfenden Manfred in der Nähe. Das darf nicht passieren. Wir kennen die Tonnen-Kennungen so gut wie
auswendig, haben Hilfspunkte ins GPS eingegeben und Kurse von Tonne zu Tonne ausgemessen als wir in tiefschwarzer Nacht in die Rinne einrauschen. Ich stehe mit der McLight auf dem Vorschiff um unbefeuerte Tonnen anzuleuchten. Etwa 0.3 Seemeilen von der Tonne entfernt kann man angeleuchtete Reflektoren erkennen – falls mansie mit dem Lichtkegel der Taschenlampe erwischt. Die Fahrrinne macht noch einen Knick gen Südwest, dazu kommt die Strömung, unter Segeln können wir den Kurs nicht mehr halten. Der Motor soll helfen und das tut er. Bei 600W bringt er uns mit etwa 3 Knoten sogar gegen den Wind durch die Fahrrine bis in den Hafen von Barhöft. Morgens um 3 Uhr schlafen wir zufrieden ein, um 10Uhr weckt uns der Hafenmeister.
Es weht ein leichter Wind und der Sommer ist zurückgekeht, wir segeln weiter. Ein Riesenhaufen schöner Segelschiffe kommt uns in der Rinne nach Stralsund entgegen. Eines hat sich zu weit über den Tonnenstrich gewagt und sitzt fest. Beruhigend dass das nicht nur uns passiert… Stralsund also, Montag wird ein Elektroauto im Hafen vorfahren – mit Herrn Kreißel, ein Mitarbeiter der Stadtwerke Stralsund.
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