Onsevig Klimapark und Septembersegeln

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Der September eignet sich besonders fürs Erneuerbare Energien Segeln. Es weht viel Wind! Sei es auf See bei schönem Knatter oder beim Abwettern im Hafen wenn es uns zu dolle bläßt – der Superwind kann ordentlich die Akkus füllen!

Damit der ganze Wind noch Spaß macht sind zwei Dinge essentiell: Eine gute Wettervorhersage und nicht zu viele Seemeilen in zu kurzer Zeit. Das bescherte uns in den letzten Tagen wundervolles Segeln in der dänischen Südsee. Vielleicht hat sich schon der ein oder andere mit Blick auf die Karte gefragt, warum wir ab Kopenhagen gen Süden gesegelt sind. Samsö, DIE Erneuerbare Energien Insel liegt doch ganz woanders. Stimmt! Aber einerseits haben wir uns dort bereits letztes Jahr umgeschaut und informiert, andererseits möchten wir noch etwas Zeit haben um auf Lolland Projekte zu besuchen. In Dänemark passiert dermaßen viel in Sachen Energiewende, wir hätten die gesamten 5 Monate zwischen Seeland, Fünen, Jütland, Lolland, Falster & Co herumsegeln können und die zu besuchenden EE-Projekte wären uns nicht ausgegangen. Außerdem passt es uns ganz gut ein paar weniger Seemeilen auf der Karte zu haben, denn Kiel wird nicht wie ursprünglich geplant der Endpunkt sein. Die Maike wird bis Greifswald segeln, ihr neuer Heimathafen, da wir dort beim Umbau im letzten Winter so wunderbar aufgenommen wurden und Hilfe von allen Seiten bekommen haben. Deshalb sind wir schon etwas früher in Kiel: Das nächste Open Ship ist für den 18.September geplant. Übrigens: Wer kennt noch Erneuerbare Energien Projekte in Kiel die wir besuchen könnten? Gern bei info@baltic-sea-energy.de melden!

Mit noch etwas Restlicht laufen wir am Sonntag gegen Abend in Onsevig ein. Bei der Navigation sollte man sich nicht unbedingt ausschließlich an Windkraftanlagen halten!  “Hier kann man sich gar nicht an den Windparks orientieren – kaum hat man einen versegelt, kommt schon der nächste in Sicht!” Hätte auch anders aussehen können wenn Dänemark sich nicht schon so früh gegen Kernenergie entschieden hätte. Wo sich heute Windkraft-Testanlagen drehen, war 1975 als Standort für ein Kernkraftwerk im Gespräch. Schon ein Jahr vor Tschernobyl, bereits 1985, entschied sich Dänemark erst gar nicht in die Kernkraft einzusteigen. Die Fläche wurde dann für die Demonstration von Windkraft verwendet. Im Ort gibt es den ‘Landsbyen Onsevig’ – ein Verein in dem die Bürger Visionen über die Weiterentwicklung ihres Lebensumfeldes entwerfen. Eine der Arbeitsgruppen hat Energie und Klima als Thema und das ist hier überall zu sehen. Vor Onsevig steht die erste offshore Windkraftanlage der Welt! Heute wird außerdem mit Algenzüchtung zur Energiegewinnung experimentiert. Und dann gibt es noch Poseidon. Poseidon ist eine kombinierte Wind- und Wellenkraftanlage. Sie ist noch nicht auf ihrem Platz, aber morgen sind wir mit Anders Juliussen in Naskov verabredet. Dort sitzen die Planer dieser vielversprechenden Anlage.

Als wir morgens mit dem Sonnenaufgang den Schlafsack gegen die Wetterkleidung tauschen , kommt uns Naskov erstmal unglaublich weit weg vor. Etwa 8 Seemeilen sind es nur bis zum Eingang der langen Fahrrinne. Doch genau daher bläst uns der Wind entgegen – aus Südwesten, wie schon seit Tagen, und nicht zu knapp. DP07 – Delta Papa Null Sieben, erzählt über Funk von zunehmend 7 Beaufort für Belte und Sund, sowie westliche Ostsee. Und das gegenan? Da werfen wir vor dem Losfahren lieber Gunnars mobiles Handy an um die wunderbare und stundengenaue Wind-Grafik des DMI (Dansk Meteorogisk Institut) zu studieren, damit wir sicher sein können nicht von zu starkem Wind überrascht zu werden. Bis heute nachmittag ist für unser Seegebiet erst mit 5, dann mit 6 Windstärken auf der Beaufortskala zu rechnen. Erst ab 22 Uhr fegen 7 Beaufort zwischen Lange- und Lolland. Die nächsten Tage kommt es aber auch noch dicke! Da kommt wohl das Sturmtief vorbei, das sich momentan noch bei Norwegen herumtreibt… Naskov- heute oder nie! Wir entscheiden uns für heute, denn wenn wir erstmal die 8 Seemeilen bis zum Fahrrinneneingang kreuzenderweise geschafft haben, bietet der Fjord Schutz vor starkem Wind und hoher Welle. Zusätzlich können die nach Osten gehende enge Fahrrinne bis Naskov prima segeln!

Noch im Hafen von Onsevig binden wir das erste Reff ein. In der engen Hafenausfahrt sind wir mal wieder froh über unseren Elektro-Motor: Der Wind pustet der Maike direkt auf den Bug und der Torqeedo bringt uns sicher hinaus. Dann geht’s los mit der Kreuzerei: Der schnellste Weg zwischen zwei Orten ist manchmal ein Zickzack-Kurs. Das hat in den letzten Jahren manchmal etwas an unseren Nerven geknabbert, seitdem die Maike jedoch ein Erneuerbare Energien Flitzer ist, hat es auch sein Gutes. Besonders beim Kreuzen spüren wir die Energie in die Akkus fließen: Der Superwind und der Hydrogenerator füttern beim schnellen Hin- und Hergesause fleißig die Akkus.

Sooo schnell kommen wir uns bei 6 Knoten Reisegeschwindigkeit und dem Überwinden der Wellen vor – lediglich der Blick auf Position, Kurs und Karte versaut das dann leider etwas das Gefühl: Wir kommen kaum voran, unser Wendewinkel ist deutlich schlechter als die sonst üblichen 120°. Strömung? Fiese Welle? Winddrehung? Sollten wir etwa doch lieber nach Onsevig zurückfahren? Dicht unterm Land gelingt es uns etwas besser mit dem Kreuzen und dann kommen wir schließlich auch so gut in die gewünschte Richtung voran, dass wir bald den Eingang der Fahrrinne nach Naskov erreichen. Sehr eng liegen grüne und rote Tonnen beieinander. Kreuzen kann man hier selbst mit der wendigen Maike kaum mehr. Ein kurzes Stück Nervenkitzel hat die Fahrrinne noch zu bieten: Eine halbe Seemeile müssen wir einen Kurs von 130° halten, hoch am Wind ist das, denn inzwischen hat der Wind ungünstigerweise etwas südlicher gedreht. Direkt neben der Rinne ist es zu flach für uns, da hat selbst die Maike mit ihren 1,50m nicht mehr die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel. Der Motor ist startbereit im Anschlag. Driften wir zu weit auf die rot betonnte Seite, brauchen wir nur ein paar Sekunden um das Vorsegel runterzunehmen, den Motor runterzuklappen und aus der Gefahrensituation herauszumotoren – so zumindest die Theorie. Wäre spannend ob wir das wirklich so schnell schaffen! Insa, Gunnar und ich sind aber nicht böse drum dass wir es nicht testen mussten denn, die verlässliche Maike hat den Kurs wunderbar gehalten und durch die übrige Strecke der Fahrrinne brausen wir bei halben Wind. Naskov liegt vor uns! Vor einem schönen Marstal-Schoner machen wir fest und begrüßen dort Jan an Bord, der nun eine Woche mit uns segelt. Perfektes Timing! Dunkle Wolken ziehen auf, der Wind wird immer stärker und pfeift durch den sicheren Hafen.

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