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Laura hats geschafft

Laura Dekker hat ein fragwürdiges Symbol gesetzt. Die Niederländerin vollendete am Wochenende ihre Weltumsegelung und trotze damit dem Staat, Wetter und Meinungen von erfahrenen Seglern. Ihren Pubertäts-Traum realisierte sie mit Unterstützung ihres Vaters, zahlreichen Sponsoren und Medien. Im Zielhafen angekommen könnte sie nun sagen: „Seht ihr - ich lebe noch!"

In Sint Maarten angekommen.

Laura Dekker hat ihre Weltumsegelung beendet. Die 16-Jährige legte vorgestern auf Sint Maarten in der Karibik an. In 519 Tagen schaffte die Niederländerin den mittlerweile inoffiziellen Rekord der jüngsten Weltumseglerin.

Zac Sunderland, Mike Perham,  Jessica Watson, Abby Sunderland - das sind die Namen der minderjährigen Segler, die bisher allein um die Welt gesegelt sind. Mike Perham schaffte es 2009 mit 17 Jahren und unterbot den kurz zuvor zurückgekehrten Zac Sunderland ihn um einige Tage. 

Mit einer weitaus medial weitreichender aufgebauten Kampagne beendete Jessica Watson Mitte 2010 als 16-Jährige ihre Weltumsegelung. Der Törn stand damals in der Kritik, wegen dem Alter der Skipperin, aber auch, weil seemanschaftliche Fehler (Kollision mit Frachter, brenzlige Sturm-Situationen) an die Öffentlichkeit drangen. Die Australiern bekam noch während ihres Versuchs Konkurrenz von Zac Sunderlands Schwester, die etwas jünger als Watson ist und den Rekord erneut unterboten hätte. Abby scheiterte allerdings im indischen Ozean, indem sie in Seenot geriet und sich dabei in Lebensgefahr brachte.

Nun kann Dekker, die kürzlich die neuseeländische Staatsbürgerschaft angenommen hat, sich ebenfalls in die Liste eintragen. Doch das ist eigentlich gar nicht das Spektakuläre an ihrer Person, auch nicht, dass sie nun die jüngste Weltumseglerin aller Zeiten ist.

Als die vor der Pubertät stehende Tochter eines Bootsbauers die Unterstützung für ein augenscheinlich wahnsinniges Unterfangen von ihrem Vater erhielt, machte die damals 13-Jährige die Welt auf sich aufmerksam. Entgegen den Willen ihrer deutschen Mutter wollte sie sofort zu ihrer Weltumsegelung aufbrechen. 

Als sich zeigte, dass das Vater-Tochter-Team es ernst meinte, entfachte eine Debatte nicht nur in ihrem Heimatland. Haupstächlich argumentierte man gegen den Törn mit dem Argument, dass das Mädchen viel zu jung sei. In einer niederländischen Zeitungs-Umfrage waren laut Spiegel Online 77% gegen das Vorhaben. Doch entgegen vieler Ratschläge und letztlich staatlichen Maßnahmen blieb Laura stur. Es gab auch Fürsprecher, nicht zuletzt zahlreiche Sponsoren und Privatpersonen, die das Projekt mit Mitteln und Ausstattung unterstützten.

Behörden entzogen Lauras geschiedenen Eltern kurz vor dem Start das Sorgerecht. Die Zwangsregelung und das Startverbot seitens der Niederlanden sollte sicherstellen, dass es möglich war, "zu prüfen, ob die Reise ausreichend vorbereitet ist, und zu überwachen, dass Laura nicht auf unverantwortliche Weise startet". 

Laura Dekker - ein „Segelmädchen" auf dem Weg zum Gericht

Während der Streit zwischen den Dekkers und den Zuwidersprechern vor Gericht ausgetragen wurde, hörte man eine Zeit lang nichts mehr von dem Thema. Bis die junge Seglerin plötzlich verschwand

Nach kurzer Zeit tauchte Laura in der Karibik wieder auf und war nicht, wie vielerseits angenommen, heimlich zur Weltumsegelung gestartet. Angeblich hatte auch ihr Vater nichts von dem Verschwinden gewusst. Sie war nicht unter Segeln aufgebrochen - ihre Aktionsbereitschaft zeigte aber, dass das jeden Moment der Fall sein konnte. Zuletzt „drohte" Dekker mit Auswanderung nach Neuseeland. Der Staat hätte ihr die Reise sofort erlaubt, wie es die USA bei den Sunderlands und Australien bei Jessica Watson tat.

Im Juli 2010 zog ein Gericht die Segel-Sperre vorbehaltlich einiger Auflagen zurück. Eine Woche später startete Laura mit 14 Jahren zu ihrem Rekordversuch. Non-stop um die Welt segeln konnte sie allerdings nicht, das war eine der Bedingungen für den Start. Weiterhin musste sie ihrer Schulpflicht per Fernunterricht nachkommen - die Schulbücher flogen allerdings nach kurzer Zeit öffentlich dokumentiert über Bord. 

Was die nun Jugendliche unterwegs alles erlebte, ist detailliert auf ihrem Blog zu lesen. Ihr schrecklichstes Erlebnis sei es gewesen, als ein Wal knapp vor ihrem Bug auftaucht und sie fast rammte. Extremen Bedingungen wie Abby Sunderland war sie auf ihrer Reise nicht ausgesetzt.

Weltumrundung mit Anspruch - Mike Perham segelte mit dem Open50 „Totally Money"

Obwohl Laura nun vorerst in das Hausboot ihres Vaters zurückkehrt, ist sie jetzt nicht wieder „daheim" - mit den Niederlanden hat sie offenbar abgeschlossen. Bei den Zollbehörden in der Karibik zeigte die 16-Jährige ihren neuseeländischen Pass vor. Sie will in Kürze mit ihrem Boot nach Neuseeland segeln und dort bleiben.

Dass das „Segelmädchen" nun keinen offiziellen Rekord in den Händen halte, stimme sie nicht enttäuscht, wie sie zuletzt bloggte. Das Guiness-Buch der Rekorde hat ihre Leistung abgelehnt. Das World Speed Sailing Council strich die Kategorie „Youngest Round" bereits nach dem ersten minderjährigen Versuch von Mike Perham. 

„Dabei sein ist alles"? Man kann nur hoffen, dass sich die sich die Liste der zu jungen Weltumrunder nicht erweitert, insbesondere mit noch Jüngeren. In Aussicht stehender Ruhm und kommerzieller Erfolg, deutlich geworden an den Beispielen Watson, Dekker & co, stehen vor dem Hintergrund der Träume, die wohl viele „Segelkinder" in Lauras Alter haben. Zusammen mit ehrgeizigen Eltern und zahlungsbereiten Sponsoren entsteht, wie gesehen, eine gefährliche Kombi - so jung und noch jünger geht eigentlich nicht.

Laura Dekker ergibt in der Google News-Suche am Dienstag, den 24. Januar 2012 knapp 700 Ergebnisse. Zum Vergleich: Gibt man „Wulff" ein, erscheinen 1000 Sucheinträge. Ausgewähltes über Lauras Törn:

„Was ist das für eine Leistung?" - Frankfurter Rundschau 

„Weltreise eines Wunderkindes" - Spiegel online

Lauras Blog

Von Jonny Peters

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2 Kommentare

Odin2012
25 Jan 2012 - 22:21

Das ist ein Meinungsäusserung eines erfahrenen (vielleicht) und arroganten (sicher) Altseglers! Ms Dekker hat einen tollen Turn hingelegt und sie meckern? Sie hat eine hervorragende "Seemädchenschaft" verwirklicht. Und das ist sehr gut für die Verjüngung unseres geliebten "Altmännersports". Wer ist denn gegen Vorzeigen und Anerkennung in diesem Alter, aber das ist doch erstaunlich, dass eine recht hübsche, junge Seglerin die Presseshow in St. Martins weitgehend verweigert und sich ernstzunehmende Gedanken über ihre Zukunft macht (Schulabschluss u.ä.) Ich finde es nicht verwunderlich, dass sie die niederländische Staatsbürgerschaft aufgibt, schließlich hat das Jugendamt dort ihr Vorhaben hintertrieben!.

Dirk Watch
26 Jan 2012 - 03:27

Die junge Dame ist seit Geburt Neuseeländerin und hat mit Holland aus nicht ganz unverständlichen Gründen gebrochen.

Wäre es da nicht fair, sie als Neuseeländerin mit niederländischem Pass zu bezeichnen oder, wenn einem dabei schon der Griffel abbricht, ihr eine niederländische Nationalität nicht so respektlos auf den Leib zu schreiben.

Aus dem Alter der Schulpflicht ist sie ja nun heraußen und sie wird ihren Weg schon machen.

Good Luck Laura :-)


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