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Krise bei Trans Ocean überwunden

Am Wochenenende fand in Cuxhaven eine außerordentliche Mitgliedersitzung statt. Das erklärte Ziel: den traditionellen Blauwasserverein aus der Krise holen

Ein Kommentar von Hinnerk Weiler

Am 18.2.2012 neu gewählter Vorstand des Trans Ocean e.V. v.l.: Martin Birkhoff (1.Vorsitzender), Andreas Hülsenberg (2.Vorsitzender) Ulrike Ewe (Schriftführerin), Bernhard Jaeger (Pressereferent), Dirk Mennewisch (Schatzmeister), Uwe Röttgering (Vorsitzender des Beirates)

Die Begriffe Krimi und Mitgliederversammlung werden in der deutschen Vereinslandschaft vermutlich selten zusammen verwendet. Aber genau einen Krimi hatten ich und sicher auch viele andere der über 120 anwesenden Mitglieder des Trans Ocean e.V. am 18. Februar in Cuxhaven erwartet.

Dass ernste Themen zu diskutieren sein würden, war jedem spätestens beim Lesen der Tagesordnung deutlich geworden: Stand doch mit Punkt Neun nicht weniger, als die Aussprache über eine Auflösung nach 48 Jahren Vereinsgeschichte zur Diskussion. Nach dem Rücktritt mehrerer Vorstandsmitglieder zu Jahresanfang, war dies mehr als nur eine Formsache. Das zeigte auch die zum Teil sehr offene Diskussion im Vorfeld und spätestens die Veröffentlichung von Vorschlägen eines eilig einberufenen Runden Tisches zur boot in Düsseldorf. Um den Verein weiterhin bestehen zu lassen, sind grundlegende Veränderung bei Trans Ocean notwendig.

Das Vereinsende konnte mit der abschließenden Wahl eines neuen Vorstandes abgewendet werden. Trans Ocean kann also wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, und das muss er auch. Auf den neu gewählten Vorstand um Martin Birkhoff (53) kommen dennoch harte Zeiten zu. Viele Mitglieder haben in den vergangenen Monaten die zum Teil öffentliche Diskussion genutzt, um Unmut zu äußern und eine Neuausrichtung des Vereins zur Förderung des Hochseesegelns zu verlangen. Nicht alles Alte darf dabei über Bord geworfen werden, denn Traditionen sind insbesondere bei Segelvereinen wichtig. Notwendige Änderungen, die mit Bedacht und Konsequenz umgesetzt werden, sind aber eine Chance. Der in Cuxhaven angesiedelte Verein muss diese ergreifen, und sich zu einem modernen, weltweiten und international ausgerichteten Netzwerk für Fahrtensegler zu mausern.

Das ist jetzt wichtiger, als eine minutiöse Aufarbeitung der zurückliegenden Geschehnisse um den Blauwasserverein und den zum Großteil zurückgetretenen Vorstand. Die weitgehend sachliche Diskussion der letzten Monate hat gezeigt, dass die Mitglieder dazu im Stande sind und eine offene und transparente Struktur auch in der Zukunft einfordern. Die Wiederwahl des zweiten Vorsitzenden Andreas Hülsenberg sichert die notwendige Expertise in der Führung des Vereins. Das beschleunigt die Einarbeitungszeit für den übrigen Vorstand. Mit Schatzmeister Dirk Mennewisch, Controller in einer Hamburger Reederei, Schriftführerin Ulrike Ewe, Lehrerin aus Braunschweig, dem Beiratsvorsitzenden Uwe Röttgering und Pressereferent Bernhard Jäger aus Cuxhaven ist ein junges und vielseitiges Team an die Spitze gerückt. Wichtiger aber: Mit Birkhoff, Mennewisch und Röttgering sitzen jetzt auch erfahrene Langfahrtsegler an der Spitze.

Sie führen jetzt das weltumspannende Netzwerk aus rund 200 Stützpunkten und circa 5.000 Mitgliedern, die überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Das ist ein festes Fundament um Kooperationen mit anderen internationalen Vereinigungen zu suchen und damit das Vereinsziel: Förderung des Hochseesegelns weiter in den Fokus der Arbeit zu rücken.

Diese globale Ausrichtung widerspricht zur Zeit noch der zentralisierten Organisation des Vereins von heute. Eine, an die Möglichkeiten des Internet angepasste, Satzung ist daher unabdingbar. Das Risiko, dass ein virtualisiertes Vereinsleben auch zu einer Anonymisierung führt, mag im Raum stehen. Die Teilnahme an Abstimmungen und Diskussionen im Verein über das Internet, erlaubt aber dafür Mitgliedern auf weltweiter Fahrt aktiv an der Vereinsarbeit teilzuhaben. Diese Integration von Erfahrungen im Umgang mit Stützpunkten und einer internationalen Seglerkultur ist aber der beste Weg, den vielfach kritisierten Dienstleistungsanspruch gegenüber einem ehrenamtlichen Verein aus den Köpfen zu verbannen.

Als Nebeneffekt würde das den als Start- und Heimkehrhafen strategisch unumstrittenen aber verkehrstechnisch ungünstigen Vereinssitz in Cuxhaven aus der Schusslinie nehmen. Einzig bedarf es dazu einem auf die Vereinsarbeit zugeschnittenen Internetauftritt.

- Ein Kommentar von Hinnerk Weiler


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