Der Solarpionier und Schärenkreuzerpapst von Fehmarn

In Lemkenhafen auf Fehmarn fühlen wir uns sofort wohl. Gemütlicher Hafen und wunderschöne Schiffe. So viele … Weiterlesen →

In Lemkenhafen auf Fehmarn fühlen wir uns sofort wohl. Gemütlicher Hafen und wunderschöne Schiffe. So viele Schärenkreuzer nebeneinander haben wir ja nicht mal in den schwedischen Schären gesehen. Zwei (oder 3…) davon gehören Georg Milz, der diese schönen Holzschiffe in Eigenarbeit restauriert hat. Manfred und Frauke von Fehmarn, mit denen wir gemeinsam in Ystad eingeweht waren, machen uns mit Georg bekannt.

Georg nutzt nicht nur den Wind, sondern auch die Sonne: Er ist der Solarpionier von Fehrmarn. “Na ja ich war einer von denen die damit angefangen haben aber in Nordfriesland sind die uns ja so 2 Jahre voraus”, sagt er bescheiden. Vor sechs Jahren, nach einem Besuch in Nordfriesland, sah der Reetdachdecker seine beiden Lagerhallen, mit ganz anderen Augen. Der Inhalt – Reetballen – wurde uninteressanter, das Sonnen beschienene Dach rückte in seinen Fokus: Südausrichtung, 20° Neigung. Wassernähe. Sonnige Insellage. 84kW hat er inzwischen auf seinen beiden Hallendächern. Die eine Halle ist inzwischen Winterlager für Boote, in der anderen lagert noch immer das Reet, Georg hat die Dachdeckerei aber inzwischen verkauft. Mit der Anlage hat er sich auch eine Altersvorsorge geschaffen. Es scheint ihm fast unangenehm zu sein nun mit seinen Sonnenenergiefängern Geld zu verdienen. Wir findens großartig denn es sind genau diese Pioniere ohne die das EEG seine Wirkung nicht hätte entfalten können. Ohne die wir den Anteil von 3,5% Photovoltaik der Stromversorgung in Deutschland nicht erreicht hätten.

Georg macht mit uns eine Tour über Ost-Fehmarn und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Mehr blau als Dach ist zu sehen: So ziemlich jede Scheune und Halle ist voll mit der Solarmodulen. Viele Bauern aus Georgs Nachbarschaft haben sich Rat bei ihm geholt und von seinen Erfahrungen profitiert. Wir sehen Hallen mit nur einer langgestreckten Dachseite die nach Süden ausgerichtet ist. Auf nicht ganz ideal ausrichteten Dächern wurde mit Aufständerung gearbeitet. Die Sonnenstrahlung auf Fehmarn ist sehr gut – dazu kommt noch die frische Brise die hier immer weht und damit die Module kühlt und die Effizienz erhöht. Manche der Solar-Dächer wandern sogar mit der Sonne mit. So wie Windmühlen sich nach dem Wind ausrichten, dreht sich der obere Teil des runden Gebäudes mit der Sonne. Das Gebäude sieht abgefahren und irgendwie futuristisch aus, die Schafe die darin wohnen stört es nicht.

Fehmarn ist eine Erneuerbare Energien Insel. Windig, sonnig und landwirtschaftlich geprägt. Der Stromverbrauch der 13.000 Einwohner wird niedriger als das was auf Fehmarn aus regenerierbarer Energie an Strom gewonnen wird. An wind- und sonnenreichen Tagen gab sogar Probleme den ganzen Strom aufs Festland zu leiten. Georg erzählt uns, dass die Windmüller zusammengelegt haben um zusammen ein Kabel ans Festland zu verlegen.

Nachmittags hatten wir dann die Ehre und das Glück, bei der Mittwochs-Regatta dabeisein zu dürfen. Springtime, Rival Sexy, K’O: Von diesen drei Schiffen haben Frauke, Insa und Nils  die Regatta erlebt.

Springtime: “17 Uhr 18Minuten 00 Sekunden” Wir sind nicht mehr weit von der Startlinie entfernt. Meine erste Regatta! Und dann auf einem so wunderschönen Schiff. “17 Uhr 18 Minuten 30 Sekunden” teilt Jürgen uns mit. “Abfallen” das Kommando von Manfred. Rival Sexy macht direkt vor uns eine Wende und schrabbt so fast sekundengenau zur Startzeit kurz vor uns durch das Tonnenpäärchen vor Orth, das die Startlinie markiert. Ein so schönes Schiff am Wind abzischen zu sehen, da kann ich mich fast gar nicht ärgern es von hinten zu betrachten. Wir bleiben knapp dran, verlieren allerdings auf der Kreuz etwas Höhe gegenüber der Rival Sexy – der eine Schlag näher am Land wo weniger Welle die schnittigen Boote noch stärker abzischen lässt war ein geschickter Zug von Georg und Insa. Eine andere Yacht packt auf der nächsten Strecke den Spi aus. “Uuh mein Hausarzt – der kann mit dem Spi umgehen – aber die überholen uns nicht auch wenn die nächste Spritze unangenehmer wird…” so Manfred. Fern am Horizont “der schwarze Teufel mit den schwarzen Segeln” Sie durften erst einige Zeit nach uns starten, denn das Teil ist das reinste Sportgerät und schon vor der Startlinie lag einer der Trapezgänger im Wasser. Da bin ich froh die schöne Springtime lenken zu dürfen. Ohne Aufhebens zu machen zischt Springtime bei halben Wind mit 8 Knoten zurück auf das Zieltonnenpäärchen. Dann zurück nach Lemkenhafen gesegelt wo all die schönen Schärenkreuzer zu Hause sind.

Wir gleiten schon unter Segeln aus dem Hafen, die Rival Sexy hat keinen Motor. “Ja,” sagt Georg “da bin ich noch nicht zu gekommen und dann bin ich hier einmal unter Segeln raus gekreuzt, seitdem hab ich Spaß dran!”Im Mai hat er das frisch überarbeitete Boot zu Wasser gelassen. Kurze Schläge in der Rinne, das übt schon mal für die Regatte, ich mache mich mit dem Schiff vertraut. Kribbeln im Bauch, segeln auf einem so wunderscshönem Boot und meine erste Regatta. Gleich gehts los, kurz vor der Springtime machen wir eine Wende und schon sind wir mitten drin. Wir gleiten durchs Wasser, ein Glücksgefühl macht sich breit hier auf diesem Boot dabei sein zu dürfen. Ein Kreuzschlag mehr auf der Strecke Richtung Heiligenhafen, dadurch machen wir eingie Meter gut und liegen vorn. Da holt der Doktor den Spi raus und wir sehen ihn an der Springtime hinter uns vorbeiziehen, dann an uns. Mist. “Was sagt Dein Gefühl? fragt mich Georg “Halsen?” das tun wir und schon rauschen wir auf der Zielgeraden dahin. Der Doktor hat zu spät das Manöver eingeleitet, da er nicht wusste das heute nur die kleine Runde gefahren wird. So laufen wir mit der Rival sexy als erste durch die Ziellinie.

Der schwarze Teufel mit den schwarzen Segeln startet um 17:36:00, für die Kenner – Yardstick Faktor .78 – Alles klar!
Skipper Albert hat das Schiff vor ein paar Wochen vom Genfer See nach Fehmarn gekauft, eine Rennziege, vier Leute als mobiler Ballast im Trapez zwei im Pit. Ich fahre zweiter mobiler Ballast. Die meisten kennen das Schiff noch nicht so gut, die Stimmung ist ausgesucht-fröhlich, von zumindest meiner Neugier aufgeladen und von etwas Muffe als ich die dünnen Kevlar-Carbon (darf ich eigentlich Tauwerk sagen) – sehe, an denen meine trockenen Füße und der Rest in den nächsten 2h hängen sollen. Das Ruder spricht bei diesem Schiffchen auf jedes Husten an und so kommt es, dass wir noch vor dem Start einen Mann ins Wasser tauchen und im Trapez hängend durcheinander purzeln. Nach dem Start, auf der Kreuz ganz ordentlich – Albert ist aber nicht zufrieden, nicht genug Höhe, nicht schnell genug, es gibt noch einige Kinderkrankheiten technischer Art.
Nach der nächsten Tonne platt vorm Laken 6kn – nicht doll – wir beschließen vorm Wind zu kreuzen, 8,x kn mit Groß und Genua, der Spi ist noch nicht klar, aber wenn,… dann wären wohl auch 14 kn drin – naja, das Regattafeld vor uns rückt auch so näher. Nächste Tonne, noch mal kurz hoch ran, den mobilen Ballast rausschwingen, wärenddessen den Spi klarmachen für die Zielstrecke. Letzte Tonne: Die Crew kämpft auf dem Vorschiff mit dem Getüdel, dann Genua weg, Baum raus, Spi hoch und- ohje, er hängt falsch – die Ecken sind noch auf französisch bezeichnet.
Es folgt die Ernte der roten Himbeere für die schwarzen Teufel. Egal – ich hab viel Spaß gehabt.

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