Das erste Wasserstoff-Dorf der Welt

Lolland hat viel Windenergie. Die bekommen wir zu spüren: Bei Windstärke 7 bleiben wir noch ein … Weiterlesen →

Lolland hat viel Windenergie. Die bekommen wir zu spüren: Bei Windstärke 7 bleiben wir noch ein bisschen in der Bucht von Nakskov und besuchen den Ort an dem getestet wird was man tun kann wenn der Wind sogar den elektrischen Hunger der Windkraftanlagen stillt. Wie beim Segeln ist das “Komfortfenster” der Windstärke  für die  Windmühlen nicht besonders groß. Mal weht zu wenig Wind um die Windkraftanlagen zur Rotation zu animieren, mal pustet der Wind aber auch so stark dass  man vor der Frage steht was mit all der Energie geschehen soll. In Vestenskov auf Lolland gibt man sich nicht damit zufrieden die potentielle Energie ungenutzt vorbeiwehen zu lassen: Die Idee ist, den zuvor überschüssigen Windstrom zu nutzen, um über Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. Dieser wird gespeichert und über eine Leitung zu Privathäusern transportiert. Dort kann dann mittels Brennstoffzellen Wärme fürs Haus generiert werden. Gleichzeitig wird durch diesen Vorgang Strom erzeugt der selbst verbraucht und auch wieder ins Netz eingespeist werden kann. Durch diese gleichzeitige Generierung von Strom und Wärme hat man bei der Rückumwandlung einen hohen Wirkungsgrad von 94%. Klar gibt es bei der Elektrolyse noch Verluste, aber es ist eine der Lösungen um Wetter-abhängigen Strom speichern, und für den Wärmebereich bereitstellen zu können.

Der Busfahrer lässt Gunnar, Jan, Insa und mich vor der alten Schule in Vestenskov aussteigen. Somit sind wir im “ersten Wasserstoff-Dorf der Welt” angekommen . Ein riesiger Buchstabe  und eine etwas zurückhaltendere Zahl springt uns sofort in die Augen. H2! Das ist der Eingang des H2-Interaction Center . Hier wird die Idee mit den Wasserstoff erklärt: “Die Verwendung von H2 in einer Brennstoffzellenvorrichtung eignet sich besonders für ländliche Gebiete mit Häusern die üblicherweise eine Ölheizung haben und die weit entfernt von Kraftwerken liegen.” Das trifft ohne Frage auf Vestenskov zu. Kein Kraftwerk in der Nähe das Fernwärme bereitstellen könnte wie es in städtischen Gebieten in Dänemark üblich ist. Dem Dorf an sich ist seine Zukunftsenergie-Status erst gar nicht so richtig anzusehen. Doch hinter dem H2-Infozentrum fahren drei Solarzellen auf Säulen befestigt der Sonne hinterher: Ein Trackingsystem ist angebracht dass sie immer so ausrichtet dass ihr Ertrag maximiert wird. Der aktuelle Stromertrag wird angezeigt: Etwa 400W bei bedecktem Himmel, 2000W wenn die Sonne hervorschaut. Der Spielplatz neben den Sonnenfängern hinterlässt bei mir mal wieder den Eindruck einer sehr friedlichen Art der Energiegewinnung. Zurück zum Wasserstoff! Obwohl das Zentrum selbst leider geschlossen hat, kann man einige Schautafeln und eine Elektrolyse-Vorrichtung ansehen. Jetzt wollen wir auch die Verwendung des Wasserstoffs sehen bei den Bewohnern des Ortes und begeben uns auf die Suche. Die Energiezukunft ist eine leise, daher müssen wir uns beim Kaufmannsladen bis zu den fünft mit Wasserstoff versorgten und Brennstoffzelle ausgestatteten Häusern durchfragen. Zum Glück ist Jan dabei, der seit einem Jahr Kopenhagen wohnt, nächste Woche eine Dänisch-Prüfung absolvieren muss und nun wunderbar seine dänischen Sprachkenntnisse zum Einsatz bringen kann. Da stehen wir schließlich vor einem der mit Wasserstoff versorgten Häuser. Sieht denkbar unspektakulär aus, weckt aber weltweites Intersse und auch die dänsiche Königin hat zum Start des Projektes vorbeigeschaut. Wir treffen die Bewohner des Hauses jedoch heute nicht an, und so spektakulär ist die Technik selbst wohl auch nicht. Windkraft, Elektrolyse, Wasserstoffleitung, Brennstoffzelle. Die Technik ist da, fertig ist das Wasserstoff-Dorf. Gedacht wurde es bereits viel, im kleinen Vestenskov auf Lolland wird es einfach mal ausprobiert. Noch läuft das auf 6 Jahre angelegte Projekt. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse.

Inzwischen hat sich das Rückseitenwetter des riesiegen Tiefdruckgebietes eingestellt: Sonnig, aber immer noch kräftiger Wind. Wir machen eine Radtour (mit Gegenwind) bis zur Westspitze und lassen uns nach einer Portion Gebäck wieder vom Wind zurückpusten. Zurück an Bord verkündet der Superwind mit leisem Fiepen dass er trotz ungebrochener Rotationslust leider nichts mehr in die 24V-Motor-Akkus hineinbekommt…randvoll! Über den DCDC-Wandler laden wir zusätzlich noch den 12V-Bordakku, denn die Sonne hat es in diesem verregneten Dänemark während der letzten Tage nicht geschafft ihn vollständig zu laden. Nun ist aber alles gefüllt. Das werden wir auch brauchen um morgen bei Westwind durch die enge Fahrrinne zu gelangen die uns aus dem Nakskov Fjord herausbringt. Dann heißt es Kurs auf Kiel.

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