„Das beständigste an Sommern in Deutschland ist die Unbeständigkeit“
Der Frühling warm und sonnig, der Sommer kalt und nass. Eine klassische Sommersaison gab es 2011 nicht. Oder doch? segeln sprach mit Frank Böttcher von wetterspiegel.de über das Zick-Zack-Wetter

Ein typischer Sommertag in Deutschland 2011
segeln: Gefühlt war der Sommer 2011 kalt und sehr nass mit ungewöhnlich vielen Gewittern. Meteorologisch auch?
Frank Böttcher: Es gibt ein paar Überraschungen, wenn wir uns die nackten Zahlen dieses Sommers einmal anschauen. So fielen in diesen drei Sommermonaten in Hamburg beispielsweise 288 Liter Regen und damit deutlich mehr als im Mittel. Vor vier Jahren waren es jedoch 439 Liter. Auch war der Sommer in weiten Teilen Deutschlands wärmer als im Mittel. Und dennoch haben wir den Sommer anders empfunden. Dieses lag vor allem an der fehlenden Sonne. Mit gerade einmal 513 Stunden gab es in den letzten 20 Jahren zum Beispiel in Hamburg keinen Sommer mit weniger Sonne. Gleichzeitig hat sich auch die Erwartungshaltung gegenüber dem Sommer verändert. Wir erwarten durch den Klimawandel immer heißere und sonnigere Sommer. Da sind wir oft schon mit dem Normalen unzufrieden.
segeln: Wie ist denn der deutsche Durchschnittsommer?
Frank Böttcher: Das ist eine spannende Frage. Der durchschnittliche Sommer folgt oft einem Grundmuster. Warme Luftmassen aus Südeuropa strömen nordwärts. Sie bleiben mal länger und mal kürzer. Nach ein paar Tagen folgen oft kältere Luftmassen, bei deren Annäherung es Gewitter gibt. Dieser „Zick-Zack-Sommer“ ist für Deutschland der normale Zustand. Dabei haben die Nordlichter die geringere Chance auf Sonne und heiße Tage, während es im Süden naturgemäß wärmer ist. Diesem Grundmuster ist auch dieser Sommer gefolgt. Das beständigste an Sommern in Deutschland ist die Unbeständigkeit. Vor allem Nord- und Ostsee sind im Klimawandel keine Gebiete, die man in der Beständigkeit mit dem Mittelmeer vergleichen kann.
segeln: Die Prognosen und Wetterberichte lagen dieses Jahr ziemlich oft daneben. Woran liegt das?
Frank Böttcher: Es gibt ja immer noch einige Anbieter sogenannter Langzeitprognosen. Da werden oft schon im Mai die Prognosen für den ganzen Sommer veröffentlicht und man kann tagesgenau ablesen, wie der Sommer denn werden soll. Aus meiner Sicht sind das nichts weiter als die Horoskope der Meteorologie und keine seriösen Vorhersagen. Nur der Zufall hilft ihnen, Treffer zu landen. Wir geben uns viel Mühe, diesen Quatsch zu verhindern, weil er der Meteorologie insgesamt schadet. In diesem Jahr lag die Fehlerquote im täglichen Mittel bei etwa 5 Grad. Bei vorhergesagten 20 Grad wurde es also im Mittel irgendetwas zwischen 15 und 25 Grad. Ich glaube, das kann jeder segeln-Leser besser.
Frank Böttcher ist Diplom-Meteorologe und moderiert unter anderem das Wetter auf Hamburg 1. Auf seiner Website www.wetterspiegel.de bieten er und sein Tem Dienstleistungen rund um präzise Wettervorhersagen.
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