Bunte Tage in Christianhavn!
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Wasser im Schiff! Im Cockpit der Maike drängen sich die Menschen, zwölf Personen sitzen gemütlich um den Tisch vereint. Soviel Gewicht drückt das Heck der Maike soweit ins Wasser, dass durch die geöffneten Schotts des selbstlenzenden Systems Wasser ins Cockpit läuft. Das hat es auf der Maike noch nicht gegeben, soviel Besuch.
Die Menschen kommen von unserer dänischen Partnerorganisation Energy Crossroads. Alle sind gekommen um die Maike und ihr Energiesystem zu sehen, unsere Geschichten zu hören und sich über Erneuerbare Energien auszutauschen. Außerdem wird der Geburtstag von Carsten, einem der Erfinder von Changing the Game (das Lego Energieplanspiel), gefeiert.
Das war unser Auftakt in Kopenhagen, nun lässt uns die Metropole nicht mehr los. Hier gibt es soviel zu sehen und zu erleben: Design Week, Taste the World Festival, Steineflippwettbewerb, open ship, Kraftwerke, Interessante Menschen.
Am Tag nach unserem Kraftwerkbesuch haben wir zum open ship geladen. Der Kanal von Christianhavn sprüht an diesem sonnigen Samstagnachmittag nur so vor Leben und Vielfalt: Touristen-Kanaltouren-Boote, Kajakfahrer, Motorboote mit live Musik, Segelboote mit Kindergeburtstag, und nicht weit entfernt findet ein Steineflippcontest auf dem Kanal statt. Die Erneue
rbaren Energie Maike passt gut ins Bild, denn auch hier geht es bunt zu. Künstler einer „Eventbarge“ aus Kopenhagen besuchen uns, der eine reist mit seinem Coffeecraft an. Ein aus Fundstücken selbstgebautes Boot in dem Kaffee gebrüht und frei an die Menschen verteilt wird. Wir verteilen mit unserem Bootshaken Postkarten an vorbeifahrende Boote und zeigen allen Interessierten unser Energiesystem. Ein Mexikaner, der über Bekannte von uns gehört hat, schaut vorbei und ist begeistert von unserem Projekt. Mads, der uns gestern durch das Kraftwerk geführt hat, lässt sich heute von uns die Maike mit ihrem Energiesystem zeigen.
Heute sind wir mit Karsten von Energy Crossroads im Gespräch über „Changing the game“ und Energiewende. Ein paar Worte zu Energy Crossroads: Es handelt sich um eine internationale Organisation die 2007 in den USA gegründet wurde. Eine saubere und sichere
Energieversorgung in der Zukunft, das ist das Ziel von Energy Crosssroads. Bei Workshops und Konferenzen zu Energiethemen wollen die engagierten Mitglieder über das Thema informieren und motivieren aktiv zu werden. Der dänische Teil der Organisation entstand vor dem UN Climate Summit (COP 15). „Am Anfang war noch nicht klar was wir machen wollten“, erzählt Karsten, „es gab viele interessante Diskussionen mit den Mitgliedern, da alle die unterschiedlichsten Hintergründe haben. Wir wollten keine normale Konferenz mit einem Redner, sondern dass die jungen Menschen in Aktion treten können und dadurch zeigen können wohin es gehen soll“, sagt Karsten. Daraus ist das „Spiel“ Changing the game entstanden, eines der größten Projekte von Energy Crossroads Dänemark entstanden. „Es ist eigentlich kein Spiel“, sagt Karsten, „sondern ein Werkzeug um ein Zukunfts-Energie-Szenario selber zu gestalten.“ Es wird ein Szenario für eine Region Europas im Jahre 2030
erdacht. Anhand von „Changing-Cards“, z.B. bessere Isolierung von Wohnhäusern oder mehr elektrische Autos, werden die selber ausgewählten Ziele umgesetzt. Das ganze bezieht sich auf realistische Zahlen und Fakten und wird anhand von Legosteinen veranschaulicht. Dabei stehen die unterschiedlichen Farben der Legosteine für unterschiedliche Energieressourcen. So kann man Auswirkungen von Veränderungen direkt sehen. In dem ersten Teil des Spiels legt die Gruppe Ziele fest und versucht diese, anhand der Change-Cards umzusetzten. Im zweiten Teil wird dies als Diskussionsbasis genommen und
die Gruppe soll sich überlegen wie die Veränderungen umgesetzt werden können, was ist z.B. notwendig um eine bessere Isolierung von Häusern wirklich durchzuführen. „Das Schönste ist“, sagt Karsten, „wenn die Gruppen so tief in der Diskussion sind, dass sie gar nicht aufhören möchten, sondern immer mehr Ideen für Veränderungen entwickeln.“ Das Spiel ist gedacht für Studentengruppen. Für das Entwickeln eines Szenarios mit anschließender Diskussion sollte man zwei Tage einplanen. Die größte Schwierigkeit war das Handbuch verständlich und praktisch zu gestalten. Mittlerweile ist die erste Version von „Changing the Game“ schon überarbeitet und es gibt eine kürzere und einfachere Version für Schulen.
Wir fragen Karsten, ob ein Szenario „Europa 100% Erneuerbar“ bis 2030 möglich ist: „Nein, nicht für das Jahr 2030! Es gibt nur begrenzte Möglichkeiten, Biomasse und Wasser nachhaltig zu nutzen und auch Sonne und Wind ist begrenzt. Für 2050 wäre es wohl möglich. Technisch und wirtschaftlich ist das kein Problem, die Schwierigkeit ist mangelnder politischer Wille, aber, wer weiss, vielleicht werden die Menschen weiser in der Zukunft“, sagt Karsten. „Changing the Game“ mit Abgeordneten aus dem Europaparlament spielen, das würde Karsten daher gut gefallen. Die Idee finden auch wir gut. Dieses ausgefeilte Spiel würde mit Sicherheit den Politikern helfen, zu verstehen welche Maßnahmen notwendig wären um die ambitionierten Ziele der EU umzusetzen.
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