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Bei der Energiewende sind alle gefragt

von Hilmar
Bereits gestern waren Insa und Frauke beim „Københavns Miljo- og Energikontor“. Das ist eine lokale … Weiterlesen →

von Hilmar

Bereits gestern waren Insa und Frauke beim „Københavns Miljo- og Energikontor“. Das ist eine lokale Vereinigung, welche gratis professionelle Beratung u.a. zu Umwelt-, Wasser und Energiefragen ambietet. Eine Extraggebühr auf die Stromversorgung deckt in Dänemark zusätzliche Kosten, welche für „Energiekonservierungsmaßnahmen“ bereitstehen, und hiervon wird auch das Kopenhagener Umwelt- und Energiekontor finanziert – sprich von Bürgern für Bürger. Eines ihrer größten Projekte war der Middelgrunden Windpark. Dieser wurde bereits 1993 von Visionären erdacht und 1996 übernahm das Energiekontor die Umsetzung. Seither ist es ein glanzvolles Beispiel dafür, dass Bürger eigenständig Großprojekte zu Erneuerbaren Energien initiieren, und Grund genug, dass wir mehr erfahren wollen. Nach der gestrigen spontanen Visite hatte Energieberaterin Ann Vikkelsø sich bereit erklärt, uns heute ein Interview zu geben.

Somit holen wir uns nach dem Frühstück vier Kopenhagener Stadtfahrräder, welche man gegen 20 Kronen von der Station lösen kann, und radeln quer durch die City zu den Büros von Københavns Miljo- og Energikontor. Ann beantwortet noch letzte Bürgeranfragen am Telefon und wendet sich dann uns zu.  Die gelernte Ingenieurin fügt sich nahtlos in unser bisheriges Bild von der Dänischen Hauptstadt. Sie erklärt uns aufgeschlossen und freundlich, dass gerade die Einbeziehung von Bürgern spätere Proteste à la „not in my backyard“ vermeiden und sogar das Ergebnis verbessern können. So war z.B. der Middelgrunden Windpark ursprünglich als quadratische Anlage in Dreierreihe geplant, jedoch fanden die Bürger dies optisch nicht sonderlich ansprechend. Nach mehreren Konsultationen kam es zu der heutigen Form, welche sich in einem langen Bogen von insgesamt 20 Windrädern zu dem Middelgrund Fort vor der Kopenhagener Küste zieht. Als Bedenken aufkamen die Windanlagen könnten den Lärmpegel extrem erhöhen, wurden Exkursionen zu bereits installierten Turbinen veranstaltet. Dies sind notwendige Maßnahmen neben weiteren ökonomischen und ökologischen Machbarkeitsstudien um den Erfolg solcher Projekte zu garantieren. Gegenwärtig gehören 10 Turbinen der Cooperative Middelgrunden und 10 DONG Energy und insgesamt stellen sie über 3% der Kopenhagener Elektrizitätsversorgung. Auch wenn gegenwärtig die meisten großen Offshore-Windkraftanlagen von großen Konzernen geplant werden, befürwortet Ann auch weiterhin Bürgerinitiativen zu Großprojekten, denn die Energiewende fängt bei jedem von uns an. Deshalb liegt der Fokus des Energiekontors auf der Bürgeraufklärung, was auch die Bildung von Handwerkern, Lehrern und Schülern beinhaltet. „Dänemark 100% Erneuerbar“ hält sie bis 2030 für absolut machbar, schließlich könne allein der Energieverbrauch um 1/3 verringert werden, wenn die Bürger bewusster mit dem kostbaren Ressourcen umgingen. Sie rechnet vor, dass sie nur etwas über 50% der Energie des dänischen Durchschnittsbürger verwendet: kein Standby in Abwesenheit; Licht, nur wenn notwendig; 2min duschen etc. Man muss es nur wollen. Die Technik hält sie für kein Problem, allerdings könnten mehr Anreize aus Brüssel kommen. Hier sieht sie die Hauptverantwortung um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und stimmt damit unwissentlich unserem gestrigen Gesprächspartner, Karsten von Energy Crossroads, zu. Bisher vermisst auch sie den politischen Willen in Brüssel.

In Dänemark scheint es diesen Willen zu geben.  So soll bis 2015 eine landesweite Straßenmaut eingeführt werden, welche erhöhte Tarife für Stadtzentren und Stoßzeiten vorsieht. Neue Kraftwerke müssen so nah an Wärmeverbrauchern gebaut werden, dass die Wärme bei der Stromproduktion nicht verloren geht und darüber hinaus dürfen auch keine weiteren Kohlekraftwerke gebaut werden. Da ist das  Mutlifuel-Kraftwerk Avedøre, das wir vor wenigen Tagen mit eigenen Augen besichtigen konnten, schon am Rande des Erlaubten. Dies sind nur einige Beispiele, doch in Dänemark kann man sich etliche zukunftsweisende Projekte anschauen und täglich hören wir von weiteren, die man sich anschauen sollte. Dänemark 100% Erneuerbar bis 2030 unterstützen wir und hoffen, dass man sich anderorts daran ein Beispiel nimmt – Europa 100% Erneuerbar bis 2050?

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