Ankunft und Abschied

Nakskov lässt uns nicht los. Als das Sturmtief durchgezogen ist machen wir uns ganz früh morgens … Weiterlesen →

Nakskov lässt uns nicht los. Als das Sturmtief durchgezogen ist machen wir uns ganz früh morgens auf den Weg in heimische Gewässer. Wir wollen nach Kiel und auf dem Weg dorthin würden wir gerne einen Stopp in Maikes alten Heimathafen Wendtorf einlegen. Aber am Freitag morgen liegen noch knapp 50 Seemeilen vor uns und die sehr, sehr enge Fahrrinne von Nakskov. Der Wind noch immer mit 5 Beaufort und kommt aus Nordwest, das heisst für uns Gegenwind. Unsere Akkus sind zwar rappeldickevoll mit Energie, aber dennoch wollen wir nicht die ganze mehrere Seemeilen lange Rinne motoren. Also setzten wir nach einer Weile Segel und kreuzen in der engen Fahrrinne. Da verlässt ein Fischerboot den Hafen von Nakskov. Da nicht genug Platz ist für einen Überholer und einem Kreuzer, nehmen wir die Segel runter und schmeißen den Motor an. Der Wind drückt schräg von vorne gegen den Bug, das erste Mal auf diesem Törn schafft es der Motor nicht, wir werden aus der Rinne heraus in Flachwasserbereich gedrückt. Mit Motor und Muskelkraft, ich wrigge mit der Pinne, schaffen wir es, das Schiff wieder mit dem Bug in den Wind zu drehen. Mit Wind direkt von vorn hält die Motorkraft uns auf Kurs. Schnell Segel setzten, dann geht sportlich weiter, ein paar Minuten Ausholschlag, Wende, einige Sekunden Höhe gewinnen usw. ……Als wir den Motor hochklappen sehen wir was ihn hat schwächeln lassen: Seegras! Die ganze Bucht ist voll mit dem Zeug und so einiges hat sich um die Schraube gewickelt. Das blockierte ihn zwar nicht komplett, drosselte aber seine Schubkraft.

Das Kreuzen aus der Bucht von Nakskov klappt ohne weitere Zwischenfälle und wir nehmen Kurs auf Kiel. Nach einigen Stunden Rauschefahrt, kommen wir in die angekündigte Flaute……das stille Wasser, die stehende Luft zerrtt an unseren Nerven. Gunnar springt ins Beiboot, auf der Suche nach einem Windfeld zieht er die Maike ihrem Ziel näher. Ein Knoten mit Muskelkraft.

Dann kommt der angekündigte Wind von Südosten auf, wir werden für Kreuzkurs und fiese Flaute belohnt: Mit windgefüllten Segeln rauschen wir bei sternenklarer Nacht und einem unbeschreiblich schönem Mond durchs Wasser und laufen nachts in Maikes alten Heimathafen Wendtorf ein.

Wir haben es geschafft. Heimatgewässer, es fühlt sich merkwürdig an, wieder hier zu sein. Eine Mischung aus Ankunft und Abschied. Seit über zehn Jahren segelt Maike durch das Kieler Gewässer. Von hier ging es in die dänische Südsee, nach Schweden oder auch mal in die Boddengewässer. Der Greifswalder Bodden wird in der nächsten Saison zum neuen Heimatrevier mit Heimathafen Greifswald. Trotzdem fühlt sich Wendtorf erstmal an wie Ankunft in heimischen Gewässern. Das richtige „Wieder zu hause“ Gefühl wird sich wohl erst in Greifswald einstellen, die blaue Linie auf unserer Karte sich zu einem Kreis schließt.

Kaum in der Heimat fällt auch schon die liebe Familie ein. Meine Eltern kommen mit meinen beiden kleinen Neffen zum Frühstück vorbei, um Abschied vom Heimathafen zu nehmen und uns willkommen zu heißen, wie schön.

Morgen machen wir an der Reventlou Brücke in Kiel ein „Open Ship“. Also Leinen los in Wendtorf, noch einmal winken und auf in die Kieler Förde hinein. Drei Generationen an Bord, mein Vater Holger und mein Neffe Massimo begleiten uns nach Kiel. Für den fünf Jahre alten Massimo ist das der erste Segeltörn „Später möchte ich auch einen Segelschein haben“ sagt er und lenkt die Maike souverän durch die Kieler Förde.

Nun liegen wir an der Reventlou Brücke, morgen nachmittag 15 bis 17 Uhr„Open Ship“, übermorgen Bürgersolaranlage anschauen und dann Richtung Osten, Fehmarn, Rügen, Greifswald.

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