Eröffnungsfeier in Valencia
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Morgen exakt um sechs Minuten nach zehn Uhr fällt der erste Startschuss für den 33. America´s Cup - wenn der Wind mitspielt. Er bezeichnet das vorläufige Ende eines beispiellosen Streits zwischen den beiden Milliardären Ernesto Bertarelli und Larry Ellison.
Eines Streits, der seit zweieinhalb Jahren die Segel-Welt lähmt. Der hunderte Segelprofis in die Arbeitslosigkeit schickte. Der die beiden Teamchefs jeweils geschätzte 200 Millionen Euro kostete.
„Ja, es ist ein teures Hobby“, bestätigte Ellison mit einem Schmunzeln bei seinem jüngsten Auftritt vor der Presse in Valencia. Ihm tut es nicht weh.
Das Vermögen des 65jährigen Oracle Bosses wird mit rund 22 Milliarden US Dollar beziffert. Er ist viertreichster Mann der Welt und deshalb einer der wenigen, die dem Schweizer finanziell Paroli bieten können. Bertarelli verkaufte 2007 sein Biotech-Unternehmen Serono für rund zehn Milliarden Euro.
Wie ist es zu dem Streit gekommen? „Wir waren Freunde, aber er ist ein seltsamer Typ“, sagte Ellison gestern der britischen Zeitung Independent. „Er hat eine sonderbare Einstellung zur Fairness . Seine verrückten Regeln, nach denen nur er wieder gewinnen konnte, das brachte uns auseinander.“ Die Regeln seien „betrügerisch“. „Es ist schwierig jemanden zu respektieren, der solch einseitige Regeln verfasst.“
Gesegelt wird nach Regeln von 1851Das Problem mit dem America´s Cup ist, dass der Sieger die Regeln für den nächsten Cup bestimmen darf. So steht es in der 1851 verfassten Stiftungsurkunde Deed of Gift. Er sollte sich darüber mit dem ersten Herausforderer, dem Challenger of Record, einvernehmlich einigen.
Das hat meistens gut funktioniert. Ellison war sogar für den Cup 2007 auch Challenger of Record. Und Verteidiger Bertarelli gestaltete zusammen mit ihm Regeln, die 12 Herausforderer-Syndikate, erstmalig auch ein deutsches, zum besten Cup aller Zeiten nach Valencia brachte. Alinghi siegte im Finale 5:2 gegen Neuseeland.
Nun musste Bertarelli erneut die Regeln für den nächsten Cup festlegen. Er war euphorisch, wollte die Regatta noch größer, noch besser machen und als eines der wichtigsten Sport-Events der Welt etablieren. Diesen guten Willen im Sinne der Sache möchte man dem eingefleischten Segel-Fan gerne glauben. Er sagt selbst, die guten Absichten seien einfach nur schlecht kommuniziert worde.
Alinghi Chefdesigner Rolf Vrolijk sagt der Zeitschrift YACHT: „Wir sind uns im Klaren darüber, dass unser erstes Protokoll vermutlich überzogen war. Es hat uns viel Einfluss zugesichert.“ Aber das sei nur im Sinne einer guten Veranstaltung gewesen.
Bertarellis PapiertigerLarry Ellison und viele andere glaubten nicht an die hehren Motive. Denn Bertarelli benannte einen neu gegründeten spanischen Club als Challenger of Record und bestimmte mit diesem Papiertiger neue, sehr zweifelhafte Regeln.
Ellison zog vor das New Yorker Gericht, das für die Deed of Gift zuständig ist, und bekam Recht. Der spanische Verein wurde für unrechtmäßig erklärt und BMW Oracle als neuer Challenger of Record eingesetzt.
Die Stiftungsurkunde besagt: Wenn sich die Parteien nicht auf Regeln einigen, wird nach den alten Regeln von 1851 gesegelt, wie in der Deed of Gift festgelegt. Aber die sind so unklar wie alt.
Wenn sich die Parteien nicht auf die Interpretation bestimmter Passagen einigen konnten, riefen sie das Gericht für die Klärung an.
Das kostete Zeit und viel Geld für Anwälte. Seit dieser Prozess startete ging es nicht mehr um gut und böse sondern darum, die eigene Ausgangsposition für das Match zu verbessern. Die gegenseitigen Vorwürfe wurden immer lauter, dienten aber dazu, das Gericht von der eigenen Position zu überzeugen.
BMW Oracle arbeitete an dieser Front deutlich effektiver. Die Mehrzahl der Gerichtsbeschlüsse stärkte ihre Position. Dieser Tatsache ist es zu verdanken, dass die Amerikaner morgen eine echte Chance haben.
Denn die Deed of Gift spricht dem Verteidiger Vorteile zu, die einen Herausforderer chancenlos macht. Deshalb dauerte es 132 Jahre, bis 1983 die Australier den Cup aus Amerika entführen konnten.