Die "Schüssel" auf dem Alinghi Stand
© C. Kemmling
Sonne, Wind und Palmen empfangen den Besucher am Flughafen von Valencia. Genau so sollte der Kontrast zum kalten, weißen Deutschland sein, wenn man das bedeutendste Segelzentrum der Welt sein will. Die spanische Metropole war es schließlich einmal. Kaum drei Jahre ist es her. Im Sommer 2007 schaute die Segelwelt hierher. Dafür hatte Valencia sich hübsch gemacht, ein grandioses Segelstadion aus dem Boden gestampft, den besten America´s Cup aller Zeiten präsentiert.
Diese Atmosphäre, diese Euphorie ist beim neuerlichen Erstkontakt noch im Kopf. Der Taxifahrer holt den Besucher zurück in die Realität. Eine kurze Frage nach den Vorlieben. „Alinghi, oder BMW Oracle?“ Der Kunde gibt sich als Cup-Fan zu erkennen und wird mit der doppelten Fahrpreis-Forderung konfrontiert. Segelfans sind hier nicht willkommen. Das Bewusstsein für den unangenehmen Status des aktuellen Cups legt sich schnell über den Darsena Hafen.
Das ist hier kein Segelfest, wie 2007. Verfeindete Teams stehen sich gegenüber. Das heißt, der BMW Oracle Trimaran ist nicht einmal zu sehen. Er wird irgendwo hinter Schranken im weitläufigen Container-Hafen versteckt.
Der America´s Cup-Hafen gleicht einer Geisterstadt Die Team-Gebäude stehen noch. Die überlebensgroßen Gesichter des südafrikanischen Shosholoza-Syndikats lächeln immer noch von der Hallenwand. Aber wo damals Leben pulsierte, bewegt sich außer der italienischen Flagge über der Mascalzone-Basis nur ein einzelner Sicherheitsbeamter gelangweilt über den frisch präparierten Asphalt am Hafenrand.
Sauber ist es hier. Aber das hat weniger mit guter Vorbereitung für ein Mega-Segelevent zu tun als mit dem Formel 1 Grand Prix. Der hat die Segelei längst als Highlight abgelöst. Ende Juni rast Schumi durch den Hafen. Die breiten ausgebauten Rennbahnen mit gelbroten Begrenzungen dominieren das Umfeld. Die gemütlichen Seglerhocks, wo sich auch konkurrierende Segelteams trafen, sind geschlossen. Wer soll diesmal auch zusammen hocken?
Der deutsche Cupper ist in Plastik eingeschweißt. Der Rumpf wirkt wie ein Relikt aus der Steinzeit. Schwer vorstellbar, dass er je wieder aus seiner Pelle geschält wird.